Press "Enter" to skip to content

Kritik: Meiberger 2×05 „Die Schwarze Witwe“

Auf der Suche nach einer Serienmörderin muss Meiberger nicht nur die Magie sprechen lassen, sondern auch seinen Charme.

Genießt die Zaubershow

Wie die meisten guten Krimis gibt sich „Meiberger – Im Kopf des Täters“ redlich Mühe, die Zuseherinnen und Zuseher immer wieder aufs Glatteis zu führen. In „Die Schwarze Witwe“ tut Meiberger das aber fast noch öfter als üblich, sodass die Serie uns mal wieder vor Augen führt, dass sie auch auf der Meta-Ebene zaubert. Das Spiel um Täuschung und Illusion ist eines, das nicht nur Thomas Meiberger beherrscht – auch die seinen Namen tragende Serie legt regelmäßig ein Tuch über ihre Zaubertricks und gaukelt dem Publikum Dinge vor, nur um das Tuch wieder wegzuziehen und zu zeigen: Nichts ist so, wie es zunächst schien.

In „Die Schwarze Witwe“ ist das beispielsweise der Fall, wenn Meiberger die schwarze Witwe Eva treffen möchte, und wir nach mehrerer Minuten Vorbereitung auch noch bis zur letzten Sekunde glauben, dass Meiberger Eva gegenübersitzt. Die Enthüllung, dass er eine andere Dame gefunden und Eva ein anderes Opfer auserkoren hat, ist ein richtiger Wow-Moment. Man erkennt, wie die Zauberer das gemacht haben, und kann dem Handwerk nur applaudieren.

Wie bei jeder Zaubershow kommt es natürlich auch darauf an, wie viel man schon darüber weiß, wie die Schausteller ihre Illusionen kreieren. Im Teaser ist das beispielsweise der Fall: Weil die Kamera zunächst dem jungen Herrn folgt, will einen „Meiberger“ glauben lassen, dass sich Meibergers Monolog auf ihn bezieht. Das Serien- und Krimi-kundige Publikum könnte dadurch schon vermuten dass man hier die Erwartungen brechen und sie als Täterin enthüllen wird – immerhin wäre es ja langweilig, genau das zu sehen, was angekündigt wird (wie es etwa im Beginn von „Die Handleserin“ der Fall war). Zu wissen, dass die Folge „Die Schwarze Witwe“ heißt, hilft natürlich auch. Aber selbst wenn man aus all diesen Gründen schon im Vorhinein weiß, dass sie kein Unschuldslamm sein wird, findet man an diesem Episodenauftakt Gefallen – weil es ja auch einfach Spaß macht, Zauberern zuzusehen, selbst wenn man weiß, wie die Tricks funktionieren.

Bei „Meiberger“ ist das zum Glück öfter nicht der Fall. Auch bei der Enthüllung des wahren Täters fühlten wir uns wieder ausgetrickst – aber eben nicht mit unfairen Mitteln (wie in „Der Berg„). Normalerweise muss man als Zuseher nicht sehen, wie der Mann stirbt, wenn die Täterin am Ende der Szene zudrückt. Dass es gar keinen Sinn ergibt, dass eine Frau wie Eva so kräftige Männer auf diese Art und Weise erwürgen könnte (das dauert immerhin ein paar Minuten, während der man sie locker wegstoßen könnte), spielte uns schon im Kopf herum, aber das schoben wir einfach auf einen Inszenierungsfehler hinaus. Denkste, „Meiberger“ hat alles im Griff – und uns einmal mehr ausgetrickst.

Nachdem klar wurde, dass Eva nicht die Täterin war, musst es sich bei ihrem Chef (im Abspann nur Lazarus genannt) um den tatsächlichen Täter handeln – immerhin ist das die einzige weitere gezeigte Episodenfigur (die noch am Leben ist). Aber auch da hat „Meiberger“ noch ein As im Ärmel. Zunächst sah alles danach aus, als würde es Eva im Nachtleben genießen, Macht auszuüben, während sie in ihrem Alltag von ihrem Chef unfair kritisiert, öffentlich gedemütigt und sexuell belästigt wird. In Wahrheit entpuppt sich Lazarus jedoch als Evas Vater, was all ihre Interaktionen mit ihm in neuem Licht erscheinen lassen.

Zum Schluss entpuppt sich also selbst der Episodentitel als absichtliche Irreführung. „Die Schwarze Witwe“ ist im Grunde eine falsche Fährte, ein Zaubertrick nach dem nächsten, und ist daher bislang der wohl beste „Meiberger“-Fall. Die Episode ist ein Weckruf für das Publikum, fast auch eine Art Herausforderung, der Serie nicht mehr über den Weg zu trauen und in Zukunft ein bisschen aufmerksamer zu schauen, um vielleicht doch auch mal frühzeitig einen von „Meibergers“ vielen narrativen Tricks zu entlarven. Film und Fernsehen sind immer ein Spiel mit dem Publikum – aber „Meiberger“ mehr als die meisten.

Private Nöte

Beeindruckenderweise sind die Fälle bei „Meiberger – Im Kopf des Täters“ Woche für Woche ein Highlight. Auch das Figurenensemble hat die Serie ganz gut im Griff – es macht einfach Spaß, Meiberger, Nepo, Ganslinger und Co. zuzusehen, und das bei weitem nicht nur, wenn es ums Zaubern geht. Diese Woche etwa herrlich das Erstellen und Bedienen von Meibergers Dating-Profil. Da dürfte sich „Meiberger“ ruhig noch ein wenig mehr trauen, das ist mal eine Humorfarbe abseits der langsam ein bisschen müßig werdenden Krapfen-Witzchen von Ganslinger. Nepos Tarnung als Dosenbier-trinkender Ermittler ist jedenfalls klasse – es ist schön, wenn sich die Figuren wie hier in für sie (und uns) ungewohnte Gefilde begeben.

Bonuspunkte gibt es dabei dafür, dass die Dating-App nicht nur aus „Die Handleserin“ mitgenommen wurde, sondern auch noch persönliche Komponenten sowohl für Meiberger als auch Ganslinger hat. Bei Meiberger ist es eine klassische Missverständnis-Geschichte, die die generelle Schieflage zwischen Meiberger und Barbara anfüttert. So richtig funktionieren die beiden leider nicht wirklich als Paar, insbesondere bei den Fällen sehen wir sie selten zusammenarbeiten. Schwer vorstellbar aktuell, dass die beiden bis zum Ende der Staffel zusammenbleiben.

Generell scheint die Serie nicht so recht zu wissen, was sie mit Barbara anfangen soll. Am Schießstand sieht sie eine bestimmte Person vor sich, und Asenbaum bringt ihr eine 30-jährige Akte, die mit dem ungelösten Mord an ihrer Mutter zu tun hat – da gibt es wohl einen Zusammenhang. Das ist narratives Material für Barbara, aber leider fragt man sich unweigerlich, woher das alles auf einmal kommt. Es ist einfach zu transparent, dass man sich das alles erst für die 2. Staffel ausgedacht hat – es gab hier zuvor kein Geheimnis, kein Mystery, keine Antizipation, die uns auf diese Storyline heiß gemacht hätte.

Wir wollen doch shippen

Bei Kevins Dateerei ist das ein wenig anders, sein Privatleben wurde ja schon in Staffel 1 bespielt (und teilweise auch belächelt). Auch diese Geschichte bereitet aber leider Bauchschmerzen, weil „Meiberger“ da keinerlei Geduld besitzt und so irre schnell erzählt. Dass Ulla Ganslinger bei der Dating-App vorgeschlagen wird (und Ganslinger dabei von Nepo erwischt wird) ist wirklich süß. Ich war überzeugt davon, ihn ganz am Ende der Folge Ulla nach rechts swipen zu sehen, mit oder ohne Match – einfach, damit da noch Spannung aufrecht erhalten wird. Stattdessen spricht Ulla es offen an und lässt die Spannung wie einen Ballon platzen.

Ich halte es für einen gewaltigen Fehler, hier schon zu erzählen, wie Ulla und Ganslinger zusammenkommen. Ein erstes Sympathischfinden, ein erstes Flirten, vielleicht ein erster Kuss ja gerne – aber das hier? Das (nicht allzu geheime) Geheimnis an schönen Liebesgeschichten ist doch meistens, dass uns der sehnlichste Wunsch, dass zwei potentielle Liebende zusammen kommen, viel besser unterhält, als wenn dieser Wunsch zeitig in Erfüllung geht.

Wir wollen doch schmachten und Ganslinger und Ulla shippen, nicht die beiden schon als Paar sehen. So fragt man sich unweigerlich, was denn nun der Konflikt zwischen den beiden sein wird. „Meiberger“ geht nicht einmal auf das klassische Hindernis ein, dass die beiden gemeinsam arbeiten und solche Büro-Beziehungen unweigerlich zu Problemen führen müssen – im Gegenteil, Nepo verdreht nur genervt die Augen und lässt die Jalousien runter. Eigentlich ein witziger Moment – aber mindestens eine Staffel zu früh.

Noch mehr Bla:

  • Entweder ich mach auf Dating-Apps etwas grundlegend falsch oder ich halte an meiner Überzeugung fest, dass das Autorenteams noch nie eine solche verwendet hat.
  • Ich liebe es, wenn Meiberger ein Arsch ist, wenn er Zaubertricks vollführt. Das Trinkgeld in der Flasche war ein erstklassiger Moment, der genau 0 zur Geschichte beiträgt, den sich „Meiberger“ aber einfach gönnt – zum Glück.
  • Potz is back! Und wird sofort angeflirtet. Bei „Meiberger“ bleibt aber auch echt niemand lange allein.
  • Dass Ganslinger nicht weiß was ein Long Island Ice Tea ist, ist mir eine Nummer zu ulkig, das passt nicht zu unserem Kevin. Hat die Folge das überhaupt dann wieder aufgegriffen, dass er betrunken wurde? Oder musste das im Schnittraum zurückgelassen werden?
  • Der Pool ist ja hübsch anzusehen, aber man fragt sich schon, wieso Eva allein auf den Zugriff hat (in einem Club, in dem sie noch nicht „zugeschlagen“ hat).
  • Ein bisschen zu hellseherisch war mir Meiberger schon damit, dass Barbara etwas zu verheimlichen hat. Nur weil sie ein paar Stunden nicht zurückgerufen hat, mein Gott – Thomas soll kein solcher Kontrollfreak sein.
  • Echt coole Musik diese Folge, hat sehr zur spannenden Atmosphäre beigetragen.
  • Es ist immer cool, wenn wir einen Zaubertrick sehen, ohne dass währenddessen zu einer anderen Perspektive geschnitten wird. Nicht nur, damit die Serie damit angeben kann, dass alle Tricks echt sind, sondern auch, weil es immer wieder beeindruckend ist, dass Fritz Karl diese Tricks oft (größtenteils?) selber vollführt.
  • Irgendwie hätte ich gern auch noch Meiberger beim Undercover-Flirten gesehen. Vielleicht beim nächsten Mal!
  • Fotos: © ServusTV / MonaFilm / Kerstin Stelter

3 Comments

  1. Sibl 2. Dezember 2019

    ich mal wieder. 🙂

    ‚Hat die Folge das überhaupt dann wieder aufgegriffen, dass er betrunken wurde?‘
    aber unser Kevin hat den eistee doch nicht getrunken, wovon also sollt er betrunken werden? 🙂

    lg!

    • Hari List 2. Dezember 2019

      Ich glaub was Hannes meinte (und ich mir ebenso beim Schauen gedacht habe),ist, dass Ganslinger – weil im Dienst – ja alkfrei, also Eistee, trinken will; nicht weiß was ein Long Island Iced Tea ist; und dann später betrunken im Dienst lustig/gefährlich/etwas verschuldend ist.
      Da war ein Set-up ohne Pay-off. DAS war der Punkt.

      • Sibl 5. Dezember 2019

        ist mir klar.
        nur: er war ja nicht betrunken, weil er das glas nicht getrunken hat.

        das set up war imho eher, dass er den eistee in der alkoholischen varianten nicht kennt.

        lg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.