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Kritik: Meiberger 2×07 & 2×08 – Staffelfinale

In den finalen Folgen der 2. Staffel werden die Eltern von Meiberger und Barbara bemüht. Das fühlt sich in beiden Fällen erzwungen an, sorgt aber trotzdem für zwei spannende Stunden.

2×07 „Zirkus“

Wem es schon merkwürdig vorkam, dass Meibergers Vater in „Die Stimmen“ so urplötzlich vor Meibergers Haustür stand, wird sich erst recht wundern, warum er keine 5 Spielzeitminuten später unter dringendem Mordverdacht steht. Es ist schon sehr transparent, wie „Meiberger – Im Kopf des Täters“ seine Puzzleteilchen immer erst in Stellung bringt, kurz bevor sie gebraucht werden. Und das gilt an diesem Abend des zweiteiligen Staffelfinales gleich doppelt.

Immerhin tut „Meiberger“ das auch mit Sinn und Zweck, denn ein Fall, in dem Meibergers Vater des Mordes verdächtigt wird und sich bei seinem Sohn vor der Polizei versteckt, ist schon per se deutlich spannender und vor allem emotionaler als wenn es sich bei dem Großen Lorenzo um einen x-beliebigen Zauberer gehandelt hätte.

Eine Szene der Kategorie „leider geil“: Es gäbe effizientere Methoden für einen Zirkusdirektor den vermeintlichen Mörder an seiner Tochter zu konfrontieren, aber das hier ist definitiv die coolere.

Beispielsweise sehen wir, dass bei den Meibergers der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen ist. Wie auch Thomas ist Lorenzo sehr von sich überzeugt und ganz schön arrogant. Auch der Konflikt zwischen den Generationen ist „Meiberger“-Fans nicht unbekannt. In der ersten Staffel war es Patrick, der sich vom Papa wegen der Arbeit vernachlässigt fühlte. Hier zeigt sich, dass es unserem Thomas als kleines Kind ganz genauso ging – schlimmer noch, sein Papa hat ihn urplötzlich verlassen. Trotz dieser Verletzung zögert Meiberger keine Sekunde, seinem Vater zu glauben und die Wahrheit zu finden. Thomas behauptet zwar das Gegenteil, doch allein die Tatsache, dass er Lorenzo bei sich zu Hause vor der Polizei versteckt hält, straft ihn Lügen.

Am Ende wird der wahre Täter überführt, es gibt ein schönes Bild und einen schönen Brief für Meiberger, und Vater und Sohn sind wieder versöhnt. Das ist ganz zufriedenstellend, andererseits hat „Meiberger“ durch die unmittelbare Involvierung von Lorenzo in einem Kriminalfall auch längst nicht alles rausgeholt, was die Rolle von Meibergers Vater hergegeben hätte. Gerne hätten wir beispielsweise Karo auf Lorenzo treffen sehen, oder Patricks Beziehung mit seinem Großvater mehr ausleuchten sehen.

Und so ist „Zirkus“ eine für „Meiberger – Im Kopf des Täters“ sehr exemplarische Episode. Ein ganz netter Fall mit hübschen Zaubertricks, unerwarteten Wendungen und durchaus funktionierenden emotionalen Beats, der für sich allein stehend ausgezeichnet funktioniert. Durch die hermetischen Erzählmuster der Serie wirkt der Fall dann aber im größeren Kontext ein bisschen zu künstlich.

2×08 „Schuld“

Was für Lorenzo gilt, gilt mindestens in doppeltem Maße für Barbaras plötzliche Entwicklung in Staffel 2. „Ich muss das wissen, darum ging’s in meinem ganzen Leben!„, entfährt es Barbara in dieser Folge – doch davon war in der ersten Staffel rein gar nichts zu sehen. Über diesen Umstand haben wir uns in den vergangenen Wochen aber schon hinlänglich geärgert, und um ehrlich zu sein tun wir uns immer noch schwer, wirklich zu glauben, dass Staatsanwältin Barbara Simma diesen Jakob wirklich entführen, fesseln und verhören würde. Weil die 2. Staffel diese Seite von Barbara allerdings durchaus über die ganze Staffel konstant gezeigt hat, lädt die Folge aber durchaus ein, sich darauf einzulassen.

In Anbetracht dessen, dass die Serie da also konsequent den Schienen gefolgt ist, die sie zu Beginn der Staffel gelegt hatte, ist „Schuld“ eine wirklich gelungene Folge und ein würdiges Staffelfinale. Dass Barbara bis zum Schluss der Folge nicht abdrücken wird, war natürlich vorhersehbar, doch die Dreierkonstellation aus Barbara, Jakob und Meiberger kann die gesamte Laufzeit der Folge locker tragen. „Schuld“ bietet jede Menge spannende Szenen, von Barbaras Verhör von Jakob über Meibergers detektivische Leistungen (Meisterdetektiv Kalle Blomquist wäre stolz auf ihn) bis hin zu den diversen Szenen, in denen Meiberger versucht, mit Barbara zu verhandeln.

Da ist zum Beispiel Jakobs standfeste Behauptung, eine Tochter zu haben. Zuerst einmal klug von Meiberger aus ihm herausgekitzelt, und auch schön, dass Barbara schnell durchschaut, was Meiberger damit bezwecken will. Doch obwohl sie Meibergers emotionale Manipulationsversuch bemerkt, zeigt dieser trotzdem Wirkung. Egal wie oft sich Barbara dagegen wehrt, in Jakobs Portemonnaie zu schauen, die Idee, dass sie da selber gerade jemanden zum Halbwaisen macht, wie sie es auch selber einer war, manifestiert sich zu sehr in ihrem Kopf, als dass sie das loslassen könnte.

Doch was hat sie vor? Recht, nicht Rache, sollte eine Staatsanwältin doch eigentlich fordern, aber hier gehen mit Barbara die Pferde durch. Vor allem, als sie nicht und nicht das hört, was sie eigentlich hören will. Sie will ein Geständnis erzwingen, doch Jakob liefert nur eine Version, die so gar nicht in Barbaras Weltbild passen will. Für sie ist ihre Mutter die gute Fee, die ihr viel zu früh genommen wurde – doch in Wahrheit war diese Frau eine ganz andere. Eine, von der Barbara einfach nicht glauben will, dass sie unter einer Borderline-Störung litt – und das trotz des Gutachtens, das Barbara bekannt war.

Sehr gelungen in dieser Folge sind dabei die Flashbacks. Als das Finale der 1. Staffel auf Rückblenden zurückgriff, wirkte das ein bisschen wie ein formaler Bruch mit den anderen Folgen Meibergers. Mit „Schuld“ wird das hingegen plötzlich zu einer großen Parallele zwischen den beiden Staffeln, in denen wir jeweils viel über die Beziehung unserer Protagonisten mit ihren Eltern lernen. Insbesondere bei Barbara ist das von großer Bedeutung, denn erst durch diese Flashbacks werden ihre Motive und insbesondere ihre große Erkenntnis so richtig plastisch. Auch Ulrike C. Tscharre trägt da ihren gewichtigen Teil bei – nachdem sie ganze Staffel über relativ wenig zu tun hatte, darf sie hier in einem intensiven Wechselbad der Gefühle alles geben.

Was uns aber dann aber stört, ist, wie locker Barbara mit Freiheitsentzug und Nötigung davonkommt. Ihr Handschlag mit Nepo ist noch ein stilles Highlight der Folge, und auch die Absolution durch Jakob ist noch einigermaßen nachvollziehbar, aber dennoch hätte sie doch 100%ig abgeführt werden müssen – wenn nicht juristisch (wovon wir wenig Ahnung haben), dann zumindest emotional. Okay, sie darf jetzt nicht mehr Staatsanwältin sein (weil wohl auch das Autorenteam gemerkt hat, dass es ihr dabei so selten viel zu tun geben kann), und ein Prozess steht auch noch an, aber trotzdem fühlt sich dieses positive Ende ein wenig schal und unverdient an. Nepo, Patrick, Barbara – in dieser Staffel haben sich die Charaktere ganz schön was zu schulden kommen lassen, und irgendwann bekommt dann doch einmal das definitive Gefühl, dass das nicht ganz rechtens ist.

Leider begeht „Meiberger“ da nämlich wieder den gleichen Fehler wie schon in Staffel 1: Ende gut, alles gut. Es ist ja wirklich zufriedenstellend, zu sehen, wie sich Meiberger und Barbara besser verstehen denn je, und Meiberger und Patrick beweisen, was für ein tolles Team sie sind, und Ganslinger und Ulla ein hübsches Paar abgeben. Wenn ServusTV sich dazu entscheiden sollte, dass es mit „Meiberger“ nicht weitergehen wird, dann ist das auf jeden Fall ein schöner Punkt, die Serie zu verlassen.

Doch sollte es für „Meiberger – Im Kopf des Täters“ eine dritte Staffel geben, wird „Meiberger“ unweigerlich wieder vor dem selben Problem stehen wie vor dieser Folge: Wo ansetzen, wenn es keine Konflikte gibt, die zu lösen sind? Keine Figur hat Liebeskummer und ungestillte Sehnsüchte, einmal mehr hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Zynisch gesagt: Auf das nächste zuvor noch nie erwähnte traumatische Ereignis in der Vergangenheit unserer Hauptfiguren können wir gerne verzichten – selbst wenn es dann spannende Konsequenzen wie in „Zirkus“ oder „Schuld“ hat.

Immerhin: Mit Lorenzo, Jakob, Bombenexperten Potz, Staatsanwältin Asenbaum, Mama Ganslingers und Herbert Puschnig hat die Serie in Staffel 2 immerhin eine Reihe an Nebenfiguren eingeführt, die durchaus weiter bespielt werden könnten. Und die voraussichtlichen dramaturgischen Schwierigkeiten von Staffel 3 wollen wir nicht als Grund nehmen, um vom an sich sehr runden Staffelende enttäuscht zu werden – und doch stellt sich ein klein wenig schaler Beigeschmack ein.

Noch mehr Bla

  • Lorenzo über Barbara: „Iss a bei da Kripo? Iss wenigstens fesch?“ Was für eine perfekte Dialogzeile. Die sagt so viel über Lorenzo und seine Beziehung mit Meiberger aus.
  • Sehr witzig, selbst beim dritten Mal: Der epische Klingelton bei Ganslingers Handy, wenn Mama anruft.
  • Hannes Perkmann (Jakob) ist um die 40 und sieht auch so aus. Der vermeintliche Mord liegt 30 Jahre zurück – so ganz haut das zeitlich einfach nicht hin, dass Jakob zwar noch „a depperter Bua“, aber trotzdem schon ausgewachsen war.
  • Wie haben denn die Polizisten Jakobs Aufenthalt auf ein einzelnes Haus festlegen können? Wäre es nicht logischer gewesen, Nepo hätte sich einfach daran erinnert, dass er Barbara Jakobs Namen bei der Überprüfung von dessen Nummertafel gegeben hatte?
  • Der Zaubertrick zum Schluss war schon ziemlich meta – und verdammt cool. Wie so oft fragen wir uns: Wie haben sie das bloß gemacht??? Und irgendwie ist es auch schön, darauf wohl nie darauf eine Antwort zu bekommen, weil es einem die leise, naive Hoffnung gibt, dass es da draußen doch so etwas gibt wie Magie.

Fotos: ServusTV / MonaFilm / Kerstin Stelter

2 Kommentare

  1. Maria 11. Dezember 2019

    Vielen Dank für die ausführlichen Kritiken! Was mich bei der letzten Folge doch sehr verwundert hat, ist, dass die Brüder von Barbara (wie viele hat sie noch mal? 3?) in der Geschichte in der Vergangenheit gar keine Rolle gespielt haben. Hat so gewirkt, als wäre sie ein Einzelkind und ganz alleine mit den Problemen ihrer Mutter gewesen. Dabei haben wir ja zumindest einen von Barbaras Brüdern schon als Biker (Staffel 1) bzw. Familienvater (Staffel 2) kennengelernt. Härte mich gefreut, wenn diese Beziehung in dieser familiären Storyline zumindest thematisiert worden wäre.

    • Hannes Blamayer Autor des Beitrages | 12. Dezember 2019

      Ja stimmt, das ging tatsächlich ein wenig unter!

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