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Kritik: Vorstadtweiber 4×02 – „Garnelenstange“

In der neuen Episode erleben wir die Rückkehr der Malakofftorte. Neue Psychos treten aufs Parkett und der Mord wird zwar aufgeklärt, ermittelt wird aber trotzdem.

Ein wenig enttäuschend, dass die Auflösung von Gabriel Morenas Tod schon gleich am Anfang der zweiten Episode folgt und dass es ziemlich genau so war, wie man es vermuten konnte. Sonia hat ihn umgebracht. Durch unterlassene Hilfeleistung vor und nach einem Stoß, der eine Spiegelung des Streits von Walli und Simon darstellt.

Auch kein hoher Gewinn war zu erwarten, wenn man auf ein verwandtschaftliches Verhältnis von Sonia und Gabriel wetten hätten können. Wie die Tochter, eine engagierte Forscherin, gnädigerweise beim Papa leben und in dessen Firma arbeiten darf, spricht aber dafür, dass mit ihr irgendwas nicht stimmt.

Wie eine Psychopathin schaut sie ihn die ganze Nacht beim Sterben zu, während sie sich mit Schokolade reinstopft, und lügt auch in dieser Folge wieder aalglatt den irgendwie involvierten Milo an. Und der Racheakt mit den Garnelen in der Vorhangstange ist zwar kreativ, aber eben auch mindestens kindisch, eher gestört. Auch wie sie sich darüber freut, als sie glaubt, er würde ihr ein Haus schenken.

Dass der Papa nicht nur generell ein Arschloch ist, sondern auch noch ein Frauenbild aus dem Mittelalter hat, entschuldigt natürlich nichts. Offen bleibt jetzt immer noch, woher/warum Milo den Garagenschlüssel hatte. Und wie lange Sonia und Leo – den sie auch mit gekonnten Tränendrüseneinsatz manipuliert – schon etwas miteinander haben.

Psychos überall

Apropos Psychopathen. Auch wenn Gabriels Exfrau Greta (Andrea Eckert) sogar noch extra sagt, dass sie keine Psychopathin wäre, ihr Habitus sagt was anderes. Überhaupt scheinen alle drei Generationen der Morena-Damen besondere Charaktere zu sein. Livia (Brigitte Hobmeier) hat nach dem Tod ihres Vaters nur Sorge, dass sie wegen eines zerkratzen Parketts die Kaution nicht zurück bekommt und Tochter Alma (Alina Schaller) hat noch überhaupt nichts gesagt, aber irgendwie erinnert sie frapant an Wednesday Adams mit Handy.

Aber damit nicht genug der verhaltensauffälligen Neuen im Ensemble. Als Jörg aus Wehmut (und Neugier am Fall Morena) sein altes Büro aufsucht, sitzt dort Tabata Goldstaub (Ruth Brauer-Kvam). In der sicher gelungensten Interaktion der Folge sind sich die beiden einig, dass der Tod von Gabriel wohl doch nicht so Ast-rein ist, wie es den Anschein hat. Ihre erfrischende Direktheit und Jörgs Reaktionen – nach all dem Schmafu mit Nico hat er sich erkennbar weiterentwickelt – sind einer der Hauptgründe, nächste Woche wieder einzuschalten.

Maria sei mit uns

Georg hängt ohne Maria, Simon, Anna, Schnitzler und dem immer noch absenten Rudi als Charakter ziemlich in der Luft. Seine Intention sich als Morena auszugeben wird ihn hoffentlich wieder in eine Situation bringen, in der er zu unserer Belustigung wieder das arme Würschtel sein kann. Möglich, dass er zum Hauptverdächtigen wird, wodurch Rudi wieder als überprotektiver Anwalt auftritt – und er in weiterer Folge im Knast wieder auf Schnitzler trifft.

Ähnliches gilt für Hadi. Der hat nicht wirklich Anknüpfungspunkte zu den anderen Figuren und steht auf dem seriellen Abstellgleis. Ein paar irrelevante Dialoge über Frauen, Geld und die Vergangenheit mit Georg, Walli und respektive Caro halten ihn aber in unserer Erinnerung präsent. Immerhin ist da der neue Job und Hadi kann jederzeit wieder reaktiviert werden. Nur bitte nicht indem er sich ernsthaft an Walli ranschmeißt.

Last and least sind da noch unsere Weiber. Vanessa ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und unsere drei Originale verbringen den Großteil der Folge bei einer Maria-Gedächtnisjause mit Eierlikör und Malakoff-Torte. Während Nico zumindest irgendwelche Zukunftspläne hat, hängt Caro in einer nervigen Dauerschleife zwischen wohligen Erinnerungen an Hadi und Ungewissheit mit Milo mit.

Während Walli noch den Subplot mit Simon zu (einem hoffentlich schnellen) Ende bringen muss, hat Nico schon mehr Eisen im Feuer als Hunde an der Leine. Ihr, Plan die neue Vorstadt-Yente zu werden, könnte für einiges an Humor sorgen, wenn auch die Verbindungen zum Hauptplot fraglich sind. Am Ende drängen sich Nico und Caro aber zurück ins Geschehen und werden Milo nachspionieren.

Nicht unerwähnt darf eine Antwort Nicos auf eine Frage Caros bleiben, die einfach so nebenbei fällt:

Nico: […] Ich mach jetzt eine Agentur auf. Vielleicht willst ja einsteigen?
Caro: Im Escortservice?
Nico: Nein, das hab ich hinter mir.

Der nonchalante Umgang mit Sex ist ja der Kern der Serie und auch die Inanspruchenahme von sexuellen Dienstleistungen gehörte da dazu. Aber die aktive Prostitution, auch im elegantesten Escortservice, wäre wohl auch für unsere Gruppe ein Thema. Ein Thema, worüber sie sich das Maul zerreißen würden und zumindest oberflächlich moralische Debatten führen würden. Erinnern wir uns an die allererste Episode, als Sabine Sexspielzeuge und Reizwäsche verkaufen musste und wie unsere Clique darauf reagierte.

Fazit

Die meisten Stärken der neuen Staffel liegen bei den neuen und die gröbsten Schwächen bei den alten Charakteren. Dieser Eindruck aus der Folge zuvor verstärkt sich. Die frühe Auflösung des Mordes und der Verwandschaftsbeziehungen der Familie Morena hätte sicher noch hinausgezögert werden können. Was an Cliffhangern überbleibt, ist eigentlich relativ dürftig. Eigentlich ist da nur die SMS, die Milo bekommt. Inhalt: „Wir kommen“, Absender: Fiasko.

Reicht das?

Wie hat euch die neue Episode gefallen?


Und sonst?

  • Extra nachgesehen und am Anfang der ersten Folge ging es bei der Sexvertragsdiskussion definitiv nicht darum, dass Nico einen „neuen Job“ hätte. Aber gab es sonst eine Situation in den vergangen Staffeln, auf die sich Nico bezogen haben könnte?
  • Es ist eh allen klar, dass unsere Weiber überhaupt nicht in die Handlung verwickelt wären, wenn Leo sich nicht zu gut gewesen wäre das bissi Blut, Scherben und Schokipapier wegzuputzen. In der Zeit, in der er auf den Putztrupp wartete, hätte er das gleich selbst machen können. Er hat aber lieber 5.000 Euro bezahlt und jetzt den Scherm auf.
  • Haltet euch beim Googeln nach Infos zur Serie übrigens vom Presseaussendungen und anderen Pressematerial fern, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt. Da stehen mir ein paar Nachnamen und Infos zu viel drin.
  • Netter Service von Flimmit, dass jeden Montag direkt nach Ausstrahlung nicht nur die aktuelle sondern auch gleich die nächste Folge online geht.
  • Der Episodentitel ist nicht offiziell. Ich habe nur beschlossen jede Woche selbst einen zu vergeben. Freue mich auf andere Vorschläge.

Fotos: Foto: ORF/MR Film/Hubert Mican bzw. Petro Domenigg

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