Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Kritik: Vorstadtweiber 4×04 – „Beschattungsunternehmer“

In einer weit von perfekt entfernten Folge laufen die Handlungsfäden der Weiber und der Morenas endlich zusammen. Pläne werden geschmiedet und noch mehr Wein vergossen.

Für diejenigen unter uns, die es letzte Woche immer noch nicht verstanden haben, packt „Vorstadtweiber“ noch einmal die plakativste Darstellung des Sachverhaltes aus: Livia täuscht ihre Schwangerschaft nur vor, um die ihrer Tochter Alma zu kaschieren. Wozu genau gibt es eigentlich die „Was bisher geschah“-Segmente am Anfang, wenn uns dann mit superredundanten Szenen die Zeit gestohlen wird?

Walli und Hadi haben den Teppich nicht nur an-, sonder sich selbst auch ordentlich zugeschüttet. Aber als sie wieder aufwachen ist Leopold noch immer auf seinem Posten. Nach ein wenig mehr „Autospass mit Hadi“ macht sich Walli mit dem Fake-Teppich auf den Weg. Leopold, der so ziemlich schlechteste Beschatter der Fernsehgeschichte, holt sich den Teppich, wie von Walli und Hadi geplant.

Dann passiert aber etwas sehr merkwürdiges. Nicht in der Handlung, sondern auf der filmemacherischen Ebene. Als Walli und Hadi nach Hause kommen sitzen da Leopold und Sonia, die das mit dem Teppich natürlich durchschaut haben. Gemeinsam schmieden sie einen Plan und brauchen dafür Nico. Die bekommt das erklärt, durchmischt von Rückblenden aus zwei verschiedenen Zeitpunkten des Abends zuvor. Ohne das im Detail analysieren zu wollen, aber das hat so gar nicht funktioniert.

Apropos Nico. Die war ja nie die moralisch gefestigte – Sind wir uns ehrlich, wer war das überhaupt jemals in der Serie? – aber Caro eine billige Fälschung unterjubeln zu wollen, sie also um 35.000 Euro zu bestehlen UND ihr womöglich auch noch emotional verheerende Falschinformationen über Milos wahre Gefühle zu geben, das ist wirklich ein starkes Stück. 

Dabei hat sie das gar nicht notwendig. Ihr Business läuft doch großartig und der zusätzliche Auftrag von Walli und Hadi – Pardon, Herr und Frau Gräfin von Steinberg – könnte ihr auch ein stattliches Zusatzeinkommen als Anteilsbesitzerin an der Pharmafirma Morenas bringen. Aber das ist langfristig und Nico geht bekanntlich meistens eher den schnellen Pfad zum Geld.

Ebenso dreist ist ihre Forderung nach Alimenten von Jörg. Mama Pudschedl ist gerade einsam. Jörgs nächtliches „Training“ und die morgendliche Begrüßung mit „Mama“ von Tabata erinnern sie an ihren verstorbenen Mann. Kein Wunder also, dass sie auf Nicos unverschämte Forderung nach Alimenten besonders erbost reagiert. Das wird sicher noch ein Nachspiel haben.

Das unwahrscheinliche Ermittlerduo aus Tabata und Jörg, die im Nicht-Fall Morena der ganzen Sippe auf der Spur sind, ist zwar nicht wirklich spannend, aber wir verstehen warum es den Handlungsstrang gibt. Es braucht irgendeine antagonistische Kraft, die die Protagonisten – allen voran unsere Weiber – bedroht. Das wird sich (hoffentlich) in späteren Folgen noch auszahlen, aber diesmal mussten wir durch allerlei merkwürdige Szenen und Dialoge im Laufe der Beschattungen durch. An der Performance von Brauer-Kvam und Mraz liegt es nicht, die beiden machen einen Spitzenjob ,und mit etwas besseren Dialogzeilen könnte das eine Paarung für ein Spin-Off sein.

Fazit

In einer weit von perfekt entfernten Folge laufen die Handlungsfäden der Weiber und der Morenas endlich zusammen. Wurde auch Zeit, immerhin war das schon die vierte von zehn. Nächste Woche können wir uns hoffentlich auf etwas gefasst machen.

Wie hat euch die dieswöchige Episode gefallen?


Uns sonst?

  • Schon in der ersten Folge haben wir die Unsinnigkeit der Rückschauen zum Folgenbeginn kritisiert. Wer auch immer die verantwortet sollte sich langsam wirklich hinterfragen, ob das was er/sie tut wirklich den Nutzen hat, den es haben sollte. Aber das Drehbuch und die Regie sind da natürlich nicht unbeteiligt, wenn sie einzelne Details immer wieder andeuten, zeigen, erklären und erzählen lassen. Da kreuzt sich jetzt auch diese Kritik mit der zum gestrigen Fernsehfilm „Wiener Blut“: Wie wenig nimmt man das Publikum ernst?
  • Kann Bernhard Schir bitte in seiner Rolle als Hadi eine Autosendung bekommen? Eine Art „Top Gear“ auf österreichisch, das wäre ein Traum.
  • Walli und Hadis kurze Gespräch über seine nicht vorhandene Zuneigung zu Barbara – bevor sie im Haus von Leopold und Sonia überrascht werden – ist ein weiterer Schritt in der sich anbahnenden Beziehung/Liebe/Affäre der beiden. Und das war natürlich nicht die einzige Szene, die in diese Richtung Andeutungen macht, aber die subtilste.
  • Wir lernen über Leopolds nicht gerade bildungsbürgerlichen Hintergrund nicht nur das, was er uns erzählt, sondern hören auch wie er mit zunehmenden Alkoholspiegel immer mehr in derberen Favoritner Dialekt á la Mundl verfällt. Laurence Rupp macht da einen guten Job und zeigt, wie fremd Leopold in der Vorstadt ist.
  • Weil sie im Moment nicht einmal mehr Milo nachweinen kann, hat Caro aktuell gar nichts mehr zu tun. Irgendwann wird der ständige Hinweis auf ihre Arbeitslosigkeit – auch Töchterchen Lea wiederholt das jede Woche – wieder ein Thema werden. Denn eigentlich ist sie ja Autoputzerin bei Werner Vogels Gebrauchtwagenhandel.
  • Milo verhält sich auch merkwürdig. Was plant er damit Georgs Kaufvertragsfälschung – wenn auch mit Beteiligung – durchgehen zu lassen?

Fotos: ORF/MR Film/Petro Domenigg

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.