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Kritik: Vorstadtweiber 4×05 – „Aha!“

Nico ist verschlagen, Hadi redet über Autos, ein weiterer neuer Charakter wird eingeführt und Caro hat immer noch nichts zu tun. Business as usual in der Vorstadt, aber davon ganz schön viel.

Letzte Woche endete die Episode mit einer Erkenntnis Wallis, die eigentlich ein ganz schöner Cliffhanger ist. Simons Pass ist noch in der gemeinsamen Wonung er somit nicht in Indien. Wieso hört man eine Folge mit einem Cliffhanger auf, der in der darauffolgenden Woche nicht einmal andeutungsweise eine Rolle spielt?

Nico & Greta

Die erste halbe Stunde der neuen Folge gehört fast ausschließlich Nico und den Figuren, mit denen ihr Charakter verwoben ist. Im Hauptplot tritt sie ihre neue Position als Begräbnisplanerin bei den Morenas an. Sofort entdeckt sie die Ursache des Gestankes und beeindruckt damit Greta und Livia. Langfristig wichtiger ist aber, dass sie sich in mehreren Momenten und sehr subtil eine Seite im andauenden Machtkampf der beiden Morena-Damen stellt. Beim Essen nimmt sie die angebotene Zigarette von Greta an und zuvor befolgt sie auch ihre passiv-aggressiven Anordnung ja die Schuhe anzulassen. Beides irritiert Livia, ohne dass sie sich der Signifikanz dieser Momente bewusst sein dürfte. Dass Nico dann auch noch den von Livia geliebten Hund tritt amüsiert die zuvor „eingesperrte“ Alma (und mich), war aber nicht wirklich nötig.

Greta Morena scheint auch sonst die wesentlich relevantere Playerin zu sein. Wie selbstverständlich sie in das Büro von Gabriel marschiert und Sonia – die zufällig gerade da ist um wieder ein Dokument fälschen zu lassen – versucht herunterzuputzen, ist eigentlich auch nur der Versuch der gelangweilten Dame einen weiteren Konfliktherd in ihrem Leben aufzumachen – aus Langeweile. Es kann unterhaltsam sein, so einen vogelfreien Charakter ohne echte Agenda im Ensemble zu haben, aber muss sie die ganze Zeit in so fad-plakativen Sprüchen reden? Die sind leider nur am Papier gut auch eine ansich brillante Andrea Eckert kann nicht zaubern.

Vater & Caro

Das ist ein Problem mit Charakteren, die neu in eine etablierte Serie eingeführt werden, sehr wichtige Parts ausfüllen müssen und mit vielen anderen um Screentime konkurrieren müssen. Ein weiteres Opfer davon ist Nicos Vater. Es ist schon okay, dass die beiden einsamen Witwer sich sofort zu einander hingezogen fühlen und auch Hals-über-Kopf zusammenziehen. Franzi haben wir schon seit Beginn der Serie kennengelernt, aber Heinz ist nicht nur neu dabei, sondern es war von ihm nie die Rede, oder? Die Beziehung zwischen ihm und Nico muss also schnell abgefrühstückt werden, bedingt aber ganz schön große Plotpunkte. Defacto gefährdet Heinz die Freiheit seiner Tochter. Egal, was sie getan hat, das ist schon hart. Vor allem, weil ihn nichts davon betroffen hat und er nur „nichts wusste“. Da muss die Schlechtigkeit der Tochter als schnelle Begründung herhalten.

Wir, die wir den großen Überblick haben, wissen natürlich um Nicos wahre Abgründe Bescheid. Wie wir letzte Woche schon erwartet haben, überbringt sie Caro den gefälschten Ring und teilt ihr mit, dass es Milo (angeblich) nicht besonders ernst mit ihr meint. Ein herber Schlag in die Magengrube in dieser Vorstadtwelt, wo Liebe tatsächlich in Geld und Geldeswert gemessen wird.

Gleichzeitig fährt sie mit einem neuen Cabrio vor, das genau so viel gekostet hat wie der Ring eigentlich wert war. Da hat sie nicht lange gewartet. Und jetzt haben wir auch einen Moment, der zu den von Nico in Folge 2 so nebenbei hingeworfenen wie merkwürdigen Prostitutionsanspielungen passt. Sie tauscht lieber sexuelle Dienstleistungen als 500 Euro zu bezahlen. Geiz ist wirklich geil.

Vanessa & Caro

Dann wäre da noch Vanessa. Nicht nur, dass sie bis jetzt kaum vorkam, stellt sie ihren Status als Vorstadtweib gleich selbst in Frage. Und sie erklärt – ganz im Stile der in Folge 1 diagnostizierten Soap – wo sie in letzter zeit so war. Werner Vogel hat sie sich als Vertrauten an der Leine gehalten. Jetzt weiß sie auch als einzige neben Sonia von zwei unehelichen Morena-Kindern. Dieses Wissen wird sich sicher noch als nützlich erweisen.

Last and least: Caro. Mit ihr ist es echt jede Woche dasselbe und es ist wirklich schade um Martina Ebm und den Charakter. Was läuft alles falsch:

  • Sie hat nichts zu tun und weint immer noch Milo nach. Immerhin aus echter Enttäuschung und nicht irgendeiner Art von irrationaler Eifersucht.
  • Zum gefühlt zehnten Mal wird ihr vorgehalten, sie würde nicht arbeiten – diesmal wieder von Lea und Nico.
  • Es wird jetzt final bestätigt, dass sie wirklich nicht arbeitet. Was genau ist da zwischen den Staffeln passiert und wovon lebst sie?
  • Wieder wird hauptsächlich über sie gesprochen anstatt mit ihr (von Georg und Milo; von Hadi, Walli und Peter Herold (Andreas Kiendl); von Nico und Walli; von Livia und Alma).

Aber irgendwie wird sie demnächst Woche zurück in die Handlung finden, weil Livia darauf besteht sie zur Beerdigung ihres Vaters einzuladen. Das ist wenigstens etwas, also bleiben wir optimistisch.


War ganz schön viel los diese Woche. Viele Dinge (Backstory von Leopold und Sonia; Sonias Arbeitsplatzsituation; Georgs neue Bleibe in Milos Hotel; Tabatas und Jörgs witzige Privatszenen; etc.) habe ich jetzt nicht im Detail angesprochen. Falls etwas fehlt oder euch wichtig erscheint, bitte in den Kommentaren ergänzen.

Wie hat euch die dieswöchige Episode gefallen?


Uns sonst?

  • Was wohl Hadi zu dem neuen Auto von Nico sagen würde? Ich fordere immer noch eine eigene Auto-Show für Bernhard Schir. ORF1 hat eh gerade ordentliche Probleme, vielleicht wäre das was.
  • „Ich geh erst wieder in die Schule, wenn du mir sagst wer es (mein Vater) ist“. Liebe Lea, es ist Peter Herold (Andreas Kiendl), der neue Geschäftspartner von Hadi. Walli und Joschis Hochzeit war der schwärzeste Tag in seinem Leben. Da wo Hadi und Caro sich kennengelernt haben (und Caro ihn wahrscheinlich verlassen hat). Außerdem hat er ein eher großes Interesse an Caros Familiensituation. Hadi hat er wahrscheinlich nur eingestellt um irgendwie Infos über Caro zu bekommen. Kann mich aber auch irren.
  • „Du bist echt anstrengend, Werner. Und du glaubst du bist lustig, obwohl deine Schmähs unterirdisch sind.“ Werner wird gespielt von Christoph Grissemann.
  • Jede Woche ein wenig Trivia für den Bildungsauftrag: Peter Herolds Agentur befindet sich im Palais Fanto, wo – in der Episode gut zu sehen – das Arnold Schönberg Center untergebracht ist.

Fotos: ORF/MR Film/Petro Domenigg

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