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Kritik: Vorstadtweiber 4×07 – „Fruchtseifenblase“

Das große Aufräumen. Nach den Ereignissen der letzten Folge sortieren sich die Allianzen teilweise neu. In den Ermittlungen von „Jörgata“ und auch von Walli gibt es Durchbrüche.

Irgendwann in der Entstehungsgeschichte der „Vorstadtweiber“ gab es eine entscheidende wie verhängnisvolle Sitzung. Vielleicht fand die auch nur in Uli Brées Kopf statt, aber das Resultat war das Gleiche: In keiner Folge dürfen weniger als zehn Handlungsstränge vorkommen.

Der Serie schadet diese Überladung mit Handlungssträngen, die sich dann auch noch teilweise auf verschiedenen Zeitebenen abspielen, wie diese Woche z.B. das überflüssige Zeigen der eigentlichen Giftinjektion. Das ist offensichtlich. Woher die kommt – aus dem Drehbuch oder aus dem Schnitt – ist egal, aber das muss sich spätestens mit Staffel 5 ändern.

Kleine Klippen

Beginnen wir am Ende. Als Lea herausfindet, wer ihr Vater ist, konfrontiert sie Peter Herold. Dem passt das aber gerade gar nicht, hat er doch einen Termin mit Leas de facto Stiefvater Milo. Mag die Situation für Lea auch merkwürdig sein, Milos Drängen auf Geheimhaltung ist das große Geheimnis, mit dem die Folge schließt. Was genau daran lässt uns nächste Woche wieder einschalten? Mit Peter Herold haben wir keinerlei Beziehung, Leas Vatersuche ist unter den zahlreichen Plots in der Wichtigkeitsstufe weit hinten und Milo mag zwar was Gravierendes planen, aber mangels Info kann uns das ja noch gar nicht emotional abholen.

Dabei gab es gleich mehrere Momente, in denen „Vorstadtweiber“ wieder das große Drama und einen passenden Cliffhanger verschenkt. Dass Milo Livia zuerst gewähren lässt, verstehen wir. Er hat Stil, will das nicht im Krankenhaus machen und ihr die Psychatrie ersparen – obwohl sie dort natürlich dringend hingehört. Als er es ihr aber dann sagt, wird aus einer kurzen emotionalen Reaktion sofort eine eiskalte Businesstransaktion. Macht Sinn, aber da hätten wir noch eine Woche spekulieren können.

Eine andere mögliche Endszene wäre die, als Schorschi in die Zelle zu Schnitzler (Philipp Hochmair) gesteckt wird. Egal was man vom Charakter des ehemaligen Politikers, der sich von korrupt zum Serienmörder entwickelte, halten mag, er war eine maßgebliche Figur der ersten drei Staffeln. Sein Wiederauftauchen ist signifikant und hätte – selbst wenn es nächste Woche nur mit einem besseren Cameo endet – ein Schocker zum Ende sein können. Und es gäbe noch zahlreiche andere Möglichkeiten (Wallis Auftauchen bei der Polizei, Almas Auftauchen bei Caro, etc.).

Ermittlungen

Tabata und Jörg bekommen einfach zu viel Laufzeit. Ihre aus der Luft gegriffene Ermittlung hüpft von Zufall zu Zufall und von einer komischen Schlussfolgerung zur nächsten. Auch der Erfrischungseffekt durch die Verrücktheit Tabatas kehrt sich immer mehr ins Negative. Sie nervt, und als sie dann auch noch ausspricht, dass sie verrückt ist, nervt auch wieder das Drehbuch, in dem wieder geschrieben und ausgeprochen wird, was wir eh alle wissen.

In der Suche nach Simon und Fini gelingt auch der große Durchbruch. Nicht organisch oder wenigstens durch einen komischen Zufall, sondern weil Hadi einfach so irgendwann eine post-koitale Epiphanie hat. Die Wandfarbe aus dem Video von letzter Woche verrät den Aufenthaltsort von Anna, Walli und Hadi kommen aber um Sekunden zu spät um Simon auch noch zu erwischen. Der hat Anna geschlagen, weil sie nicht wollte, dass er Fini mitnimmt, floh dann aber, ohne Fini mitzunehmen. Ihr seht die Fehler?

Ein neuerlicher Hinweis auf die Fehlplatzierung der einzelnen Szenen dieses Handlungsstranges ist nicht das Reiten eines bereits toten Gauls. Es passt zur Eingangs angesprochenen Überladung mit Strängen. Aus welchen Gründen auch immer wurde entschieden, dass Wallis Suche in jeder Folge vorkommen muss. Mit dem Resultat dieser grauenhaft-unorganischen Erkenntnis Hadis.

Grauenhaft unorganisch ist bei „Vorstadtweiber“ leider inzwischen vieles. Einiges kann man verzeihen. Zum Beispiel als die beschwippste Caro Alma gegenüber detailreich erzählt, was die lauschende Lea wissen will. Oder dass Nicos moralischer Anfall zu einem Spontangeständis ihres Betruges an Caro führt, welches den eigentlich massiven dramaturgischen Konflikt fast total entschärft und schließlich neutralisiert.

Dazwischen gibt es aber immer wieder großartige Momente, manchmal nur halbe Wörter. „Fruchtseifenblase“ zum Beispiel. Wir geben noch nicht auf und hoffen, dass sich „Vorstadtweiber“ irgendwann wieder erfangt. Quotentechnisch geht es ja leider steil nach unten.

Wie hat euch die dieswöchige Episode gefallen?


Und sonst?

  • Ernsthaft? Zehn Handlungsstränge? In dieser Folge habe ich 13 gezählt und dabei schon fusioniert: Vanessas & Werners Erbschleicherei (& Beziehung) | Sonia & Leopolds Ermittlungen (& Beziehung) | Tabata & Jörgs Ermittlungen (& Beziehung) | Georgs Inhaftierung | Hadis Liebesleben mit Barbara bzw. Walli | Wallis Suche nach Fini & Simon | Leas Vatersuche | Milo & Peters Geschäfte (neu) | Milo & Livias Machtspiele | Almas Ausriss | Nicos & Gretas Vergangenheit | Trauer um Francesco | Nicos Betrug an Caro …und diese Woche nicht aktiv vorkommend: Milo & Caros Beziehung | Jörgs Familienaufstellung | Peter & Hadis Geschäfte | Der GROSSE Firmenübernahmeplot
  • Ich schau übrigens nebenbei noch eine andere Soap mit überschminkten Untoten. Auch darin gibt einen inhaftierten Bösewicht, den man nicht umbringen konnte oder wollte und jetzt mal mehr mal weniger gelungen mitschleppt. Aber man ist sich des Gewichts des Charakters bewusst. Und das ist nicht das einzige Element, bei dem „Vorstadtweiber“ von „The Walking Dead“ einiges lernen könnte.
  • Gastauftritt: „Nicht Trödeln und nicht Blödeln“ – Die strenge Mutter, der Walli betrunken begegnet, wird von Gabriele Hegedüs gespielt.
  • Erinnerung für weniger aufmerksame Zuschauer: Die Wohnung, in der sich Anna, Simon und Fini versteckt hatten, ist die von Sylvia (Julia Stemberger), Annas Tochter (ergo auch Georgs Schwester) und Hadis erste Frau, die sich in der zweiten Staffel das Leben nahm.
  • Autospaß gibt es diesmal von Werner – OK, der ist Autohändler – und völlig unerwartet auch von Sonia.

Fotos: ORF/MR Film/Petro Domenigg bzw. Hubert Mican

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