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Kritik: Vorstadtweiber 4×08 „Blau ist eine lahme Farbe“

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Diese Woche lässt „Vorstadtweiber“ seinen Charakteren wieder etwas Luft, hält aber zum Ende noch eine große Überraschung bereit.

Als hätten die Macher von „Vorstadtweiber“ unsere Kritik von letzter Woche gelesen, machen sie in dieser Folge einiges besser. Vor allem langsamer. Die Geschichten bekommen Zeit zum Atmen und wenn auch ganz schön viel passiert, werden wir nicht so durch die Handlungsstränge gepeitscht wie zuletzt.

Dennoch kommt auch diese Folge wieder nicht ohne gravierende Fehlentscheidungen aus. Zu Beginn sehen wir eine emotionale Rückblende, die uns aber rein gar nichts Neues über die Situation zwischen Nico, Greta und Heinz erzählt. Danach gibt die Folge Greta und Nico genug Zeit, um alles aufzuklären. Das ist ein schöner und passender Anschluss an den Cliffhanger. Allerdings nicht an den von letzter, sondern den von vorletzter Woche. Dieses Gespräch hätte bereits im Krankenhaus stattfinden sollen oder alternativ letzte Woche VOR dem Krankenhaus.

Die Folge beginnt dankbar langsam. Gretas Erklärungen, Geständnisse und die anschließende Erpressung von Nico wird nur durch von Wallis Geständinis angetriebene Fortschritte in Jörgatas Ermittlungen unterbrochen. Nachdem diese dann auch noch Georg in seiner Zelle mit der gefälschten Unterschrift konfrontieren sind (inklusive Intro) 14 Minuten oder fast ein Drittel der Folge vorbei und wir haben nur 2 Hauptstränge gesehen. Und in denen ist auch tatsächlich etwas passiert.

Natürlich wurde auch viel erklärt, was uns wieder an der Sinnhaftigkeit der „Was bisher geschah“-Montagen zu Beginn jeder Folge zweifeln lässt, aber es ist eine deutliche Steigerung an erzählerischer Qualität. Ab da wird das Tempo wieder angezogen und in den nächsten 16 Minuten fällt „Vorstadtweiber“ in seine altes Stakkato zurück.

Nicht nur in der Abfolge der Szenen, sondern auch in der Entwicklung der Handlungsstränge. Der große Plan, die Firma zu übernehmen, geht einfach so auf. Hadi wird von Livia zum Geschäftsführer gemacht. Leopold konfrontiert Werner. Ohne Plan und Beweise, aber ein paar halbwegs originelle Sätze fallen dabei. Anatol findet Alma sofort, zwischen Milo und ihr bzw. zwischen Milo und Caro ist wieder alles OK. Egal auch, dass der Ring jetzt vier Räder hat. Georg identifiziert Leopold und wird enthaftet. Livia sucht DAS Testament von Gabriel Morena, daheim und im Büro. Sie findet EIN Testament von G. Morena, das Greta vorher dort platziert hatte. Später erklärt sie Milo, Gabriels Alleinerbin zu sein. Blicken wir noch durch wer da jetzt noch was gefälscht hat und wer wessen Erbe ist?

Im „dritten Akt“ werden – bevor wieder ein ganz großes Fass aufgemacht wird – einige Nebensächlichkeiten bedient. Lea und Peter verbringen Zeit miteinander, als sie Caro begegnen ist diese unerwartet feindselig, willigt aber dann doch in eine gemeinsame Elternschaft ein. So, wie sie ihre Ablehnung formuliert, könnte man meinen, es wäre etwas sehr Schwerwiegendes rund um Leas Zeugung/Geburt vorgefallen. Mal schauen, ob das nur eine falsche Fährte (und/oder schlechte Schreibe) war oder ob da noch was kommt.

Livias überemotionaler Ausbruch wird von Milo nicht erwidert. Auch hier lernen wir nicht wirklich neues über Livias Motive für die gefälschte Schwangerschaft und die schon längst nicht mehr vorhandene Zuneigung Milos ihr gegenüber.

Schließlich entdeckt Tollpatsch Sonia per Zufall nicht nur das Drogenlabor, sondern auch, dass eine Ampulle des entsprechendes Giftes fehlt. Das bestätigt auch Frau Berg (Dagmar Kutzenberger), als sie es Milo zum Abschluss der Folge berichtet. Die beiden hängen zusammen und damit haben wir zum ersten Mal in dieser Staffel einen wirklich gelungenen Cliffhanger. Na bitte, geht doch!

Aber trotzdem sind da noch einige Ungereimtheiten, die es in den letzten zwei Folgen aufzuklären gilt. Sonia ist sichtlich überrascht, aber Milo sagt Berg, dass sie Sonia das Auto zu verdanken habe. Wie ist Sonia also ohne es zu wissen in deren Machenschaften verwickelt? Was auch immer die Antwort ist, es würde erklären, warum sich Sonia und Milo kennen und in der ersten Folge dieser Staffel miteinander so amikal Boxen waren.

Anatol ist der am wenigsten unauffällige Drogendealer/Geldeinsammler der Fernsehgeschichte. Umso bemerkenswerter, dass Leopold von den Machenschaften seines Onkels und seines Chefs nichts mitbekommen haben dürfte. Auch er ist überrascht („Was ist das da?“). Dass Milo seine Finger in allem drin hat können wir glauben, aber auch hier eskaliert die Serie einen Charakter enorm. Es handelt sich schließlich nicht um kleinkriminelle geringe Mengen, sondern um Drogenproduktion im ganz großen Stil.

Fazit

Die heutige Folge ist eine deutliche Steigerung zu letzter Woche und adressiert auch die meisten unserer Kritikpunkte. Damit ergibt sich aber auch eine neue Angriffsfläche: Warum sind die Folgen in ihrer Erzählstruktur so inkonsistent?

Wie hat euch die dieswöchige Episode gefallen?


Und sonst?

  • Die Rückkehr von Schnitzler war letzte Woche groß angekündigt und umfasste dann nur eine Szene. Diese Woche kommt er überhaupt nur im Hintergrund vor, als er Georg am Gefängnishof verspottet. Auch hier ist es besser, dass da vermutlich eine Szene(n) gestrichen wurde. Georg ist eh schon am Tiefpunkt.
  • Mussten die Drogen ersthaft wieder blau sein? Es gibt so viele andere Farben.
  • Kein Autospaß in dieser Folge?
  • Gabriel Morena ist wohl der schlechteste und sorgloseste CEO aller Zeiten. Sich mit ALLEN Sekretärinnen was anzufangen und ihnen ziemlich viele Freiheiten zu gewähren ist das eine, aber dass einfach so jede in den Giftschrank der Firma kann, ist kriminelle Fahrlässigkeit.
  • Wie Walli sich mit Fini bei Hadi einnistet wird die junge Beziehung auch noch belasten. Ungut von ihr.

Fotos: ORF/MR Film/Petro Domenigg

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