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Kritik: Vorstadtweiber 4×09 – “Kugelhagel”

In der vorletzten Episode der Staffel entpuppt sich Milo endgültig als der zentrale Akteur, um den alle anderen Figuren kreisen – sofern sie überhaupt vorkommen.

Wie letzte Woche beginnt “Vorstadtweiber” mit einer Rückblende. Milo hat seine Finger wirklich überall drin und Vanessa quasi beauftragt, Gabriel Morena zu verführen. Gemeinsam mit Frau Berg und dem Vanessa immer noch hörigen Werner müssen Sie am Ende das Labor ausräumen, weil sich ihr Plan durch Sonjas Entdeckung und Leopolds Verhör beschleunigt hat. 

Die Figuren nehmen auch langsam den von Schachgroßmeister Milo vorgesehene Position fürs Endspiel ein. Aber was ist es, das “er schon immer haben wollte”, wie es Peter Herold so pathetisch zum Ende der Folge hin fomruliert? Der Bankrott der Firma? Wo er mit Drogen gut Geld verident hat? Die letzten Puzzlestücke fehlen uns noch und ergeben dann hoffentlich im Finale nächste Woche ein stimmiges Gesamtbild.

Vorstadtweiber nimmt also so richtig Fahrt auf. Prinzipiell begrüßenswert und die aktuelle Folge wirkt deutlich schneller, hat aber immer noch Zeit für zwei bescheuerte und vor allem im Fall von Sonja unmotivierte Drogenselbstversuche. Fad.

Mit der ursprünglich vermuteten Selbstmotivation von Vanessa ist es also auch nicht weit her. Was genau sie in die Geschlossene getrieben hat, wissen wir nicht genau, aber das letzte das wir von ihr im Finale der dritten Staffel gesehen habe, war, wie sie die Nachricht von der Ermordung Dieter Wests erhielt. Der war immerhin der Vater ihres älteren Kindes.

Das mit der Selbstmotivation der Frauen ist so eine Sache. Wenn wir uns z.B. auch an die erste Staffel zurückerinnern und den Komplott der Männer um die Autobahn, sowie die Ereignisse dieser Staffel, so drängt sich uns unweigerlich die Erkenntnis auf, dass die titelgebenden Damen nicht so wirklich oft am dramaturgischen Steuer ihrer eigenen Serie sitzen.

Selbst aus dem Grab heraus und ohne Screentime ist Gabriel Morena immer noch ein Player und bringt seine uns bisher bekannte Familienaufstellung noch einmal gehörig durcheinander. Kurz: Livia ist adoptiert und die Tochter einer Prostituierten und Georg ist sein Sohn, den er in seinem Testament endlich anerkennt.

Leider ist es aber nicht so lustig, wie Georg das findet. Ich hab echt versucht, mit gutem Willen da dabei zu bleiben, aber ich gebe auf. Diese Testamentsgeschichte ist ein einziger erzählerischer Clusterf*ck und ich hab echt keine Muße mehr, das aufzudröseln. Denn weder ist es noch irgendwie interessant, noch erzählerisch wertvoll. Sorry!

Foto: ORF/MR Film/Petro Domenigg

Verständlich, dass Jürgen Maurer irgendwie in der Story gehalten werden soll. Diese Aufgabe erfüllt dieser “Twist”. Klar mögen wir unseren Schorsch, aber wieviel erzählerischen Unsinn sind wir bereit dafür zu akzeptieren? Ähnliches gilt für Leopold. Seine Szenen sind echt teilweise grandios (das Verhör mit Jörgata) und dann sagt er wieder Sachen, die im schlechtesten D-Movie nicht erlaubt wären (“Kugelhagel”-Dialog).

Nur schnell noch, was sonst noch so (nicht) passiert ist:

  • Francesco wird beerdigt.
  • Caro hat wieder nichts zu tun. 
  • Nico eigentlich auch nicht. 
  • Walli dient nur dazu, dass Hadi seine Vermutungen nicht einfach so vor sich hin redet.
  • Alma und Lea kommen gleich gar nicht vor.
  • Livia sucht und findet ihre leibliche Mutter. Dann läuft sie weg.
  • Greta informiert Livia über ihre Krankheit, nachdem sie ihr die Adoptionsurkunde im Kuvert des Testaments untergejubelt und sie vor allen bloßgestellt hat.

Weil Vanessa auch in dieser Folge wieder betont, dass sie nicht eine von den Weibern ist und sie verachtet, haben die eigentlichen Vorstadtweiber in dieser Folge so gut wie keine Relevanz. Auch ein Kunststück. Aber ehrlicherweise ist es schade, wie wenig Nico, Caro und Walli in die Haupthandlung eingebunden sind. Und das schon die ganze Staffel über.

Wie hat euch die neue Episode gefallen?


Uns sonst?

  • Die Kritik zum Staffelfinale nächste Woche erscheint erst am nächsten Tag, weil uns die Folge nicht vorab zur Verfügung steht.
  • Um Vanessas Zusammenbruch zu verstehen, hab ich mir noch einmal das Finale der 3. Staffel angesehen. Bevor Vanessa vom Tod Wests erfährt, zeigt ihr Werner den reparierten USB-Stick mit den Videos aus dem Stundenhotel. Das wurde auch nicht weiterverfolgt. Und Caro bringt Nico vorbei, damit diese den Job als Autowäscherin übernimmt. Jetzt ergeben sehr viele Dialoge um Caros Beschäftigung aus dieser Staffel noch weniger Sinn.
  • Interessanter Artikel im Kurier, aber leider hinter der Paywall “Drehorte der „Vorstadtweiber“: Wie der Gemeindebau in die Serie kommt”

3 Comments

  1. Tom Sawywer 11. Dezember 2019

    Ist verständlich, danke für die Antwort.

  2. Tom Sawywer 9. Dezember 2019

    Folgt noch eine Kritik zum Staffelfinale?

    • Hari List Post author | 9. Dezember 2019

      Hi,
      wir hatten ursprünglich einen Podcast zum Abschluss der 4. Staffel geplant, der dann krankheitsbedingt leider ausfallen musste. Der hätte auch die Kritik beinhalten sollen. Wir hatten ja leider keinen Screener des Finales und konnten daher keinen Text zur gewohnten Zeit veröffentlichen. Und je länger das Finale her ist, desto weiter nach hinten rutscht das auf unserer Prioritätenliste. Und weil gerade auch so viel an guten Filmen läuft und wir gar nicht wissen, was wir zuerst besprechen sollen. Luxusprobleme.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Wir (bzw. ich alleine) wollen den VSW-Podcast noch machen, geht sich aber ziemlich sicher nicht vor 2020 aus. Dafür aber auch umfangreich. Nicht nur eine Kritik zur Finalfolge, sondern auch einen Staffelüberblick, eine Gesamteindruck der Serie und ein Ausblick auf alles, was bisher über die 5. bekannt ist.

      Danke jedenfalls für dein Interesse an unseren Kritiken und deine Nachfrage.
      Sorry, dass es keine bessere Antwort gibt, aber es ist nunmal ein Hobby und es geht sich nicht immer alles in der Form aus, in der wir das selber gerne machen würden.

      Hari

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