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Kritik: Walking on Sunshine 1×09

Auch nach nochmaliger Sichtung können und werden wir unser Urteil von letzter Woche nicht revidieren. Die 8. Folge war eine furchtbar schlechte Episode und der absolute Tiefpunkt einer Serie, die ganz gut begann und dann von Woche zu Woche nachließ. Es kann also nur nach oben gehen.

Bevor wir aber in die Besprechung der dieswöchigen Folge starten, bringen wir uns noch auf Stand. Letzte Woche haben wir und aus guten Gründen kurz und oberflächlich gehalten und deshalb nicht alles aufgerollt, was in der Folge geschah.

Die großen offenen Fragen und wichtigen Erkenntnisse der letzen Woche aber waren:

  • Lukas war Mehrheitseigentümer der offenbar extra für die Angebotslegung aus dem Boden gestampften Firma mit Hoffinger. Und aus diesem Grund ist er immer noch als dritter Bieter im Rennen um den neuen Wetterkanal.
  • Otto ist Connys Vater. Sagt zumindest er. Dieses Geständnis/Diese Erkenntnis war zu befürchten, hat aber wenig dramaturgische Relevanz. Einzig eine weitere Konfrontation der beiden Brüder steht noch im Raum. Aber dass ausgerechnet diese beiden eher lebensunfähigen Charaktere zusammen leben sollen, birgt immerhin einiges an humoristischen Potenzial.
  • Karl ist die Russen los und der Minister hat nach seinem Rücktritt auch keine Macht mehr. Zwar droht Karl noch theoretisch selbst Gefängnis, aber das sollte in ein paar Szenen in die eine oder andere Richtung geklärt sein. Bleibt also nur noch seine Rolle als Connys „Vater“ und alles, was damit zusammenhängt.
  • Emilie Härtl (Mercedes Echerer) wurde von Frau Ahorner und Detektiv Pitzek als Lukas Mutter Maria enttarnt. Als sie bei der Polizei Anzeige erstatten wollen, entdeckt Frau Ahorner einen Fahndungszettel, auf dem eine „Maria Gruber“ gesucht wird. Offenbar war sie damals Mitglied einer RAF-ähnlichen Gruppe namens „Roter Kader“. Das bringt Ahorner auch davon ab, Anzeige zu erstatten. Wir vermuten, dass sie Lukas schützen will.
Foto: Screenshot Ep. 8
  • Lukas hat erkannt, was Sophie mit ihm für ein Spiel spielte, und hat endgültig einen Schlussstrich gezogen. Mal schauen, inwiefern Sophie zurückschlägt oder ob sie aufhört auf alle Pferde zu setzen und im Sinne ihrer Karrierechancen Partei ergreift.

Jetzt schauen wir uns an, was „Walking on Sunshine“ mit diesen doch ganz interessanten Ausgangssituationen getan hat. Leider hatten wir auch dieses Mal keinen Vorabscreener zur Verfügung und haben mit euch die Folge live zum ersten Mal gesehen.

Otto, der Froschkönig

Großer Sprung zu Beginn. Otto und Tilia im Bett. Haben die jetzt? Und wie kam es dazu? Da hätte es jetzt nach den Opening Credits so etwas wie „24 Stunden zuvor“ gebraucht. Aber der Alkohol hat den Abend zum Entgleisen gebracht und das ist nicht nur total out-of-character für Tilia (aber nicht für Otto), sondern auch nicht sehr gescheit, wenn man sich gerade in wichtigen Verhandlungen befindet.

Otto erwähnt dann ein paar Mal zu oft, dass „genau neun Monate nachdem“ und ist laut Tilia trotzdem nicht der Vater. Kondom und außerdem ist Conny einige Monate zu früh auf die Welt gekommen. Ist sie also doch eine echte Ullrich. Das war eine dramaturgische Nullrunde, wie wir sie selten gesehen haben.

Love me Sender

Die Sache mit dem Sender wird von Finanzdirektor Graupmann (und vom Drehbuch) künstlich in die Länge gezogen. Haben wir nicht schon genug Konferenzraumszenen gehabt? Der Vorwurf von Tilia, dass Graupmann nur Akten von einem Stapel auf den anderen und wieder zurück legt, ist natürlich völlig richtig. Das ganze ist so eine redundante Farce, dass es jetzt schon den Charakteren auffällt und damit dem Drehbuchautor zumindest unterbewusst selbst klar sein muss. Da muss man jetzt fast schon Mitleid mit Mischa Zickler haben und gleichzeitig alle hinterfragen, die irgendwas am Drehbuch mitzureden hatten.

Bei den Präsentationen ist Tilia wie erwartet souverän, wenn auch die Jump Cuts ein wenig irritieren. Der Deutsche, Jenes, hat das Wohlwollen des Generaldirektors, dessen brutaler Wirtschaftsliberalismus auch wie aus dem Nichts kommt. Lukas hingegen hat natürlich einen anderen Termin zuerst wahrgenommen. Verständlich, trotzdem dumm. Aber dann erscheint zwar pünktlich zum vereinbarten Termin, erbittet sich aber mehr Bedenkzeit.

Wäre Graupmann wirklich der eiskalte Kapitalist, als den ihn „Walking on Sunshine“ fünf Minuten zuvor verkaufen wollte, dann hätte er der Chance genutzt und Lukas abgesagt. Und wenn nicht für den Versuch die Regeln zu biegen, dann für sein unprofessionelles Auftreten inkl. Kleidung. Aber natürlich darf der Hippie-Millionär die vielleicht sogar perfekt vorbereitete Präsentation kübeln und beeindruckt mit einer spontanen und emotionalen Liebeserklärung ans Wetter. Use the force, Luke!

Mommy issues

Lukas‘ Konfrontation mit seiner leiblichen Mutter könnte so bewegend sein, aber Aaron Karl bringt da nicht wirklich viel Gefühl rüber. Klar, das ist eine sehr schwierige Situation und was ist schon das „richtige“ Verhalten? Wer kann das schon wissen?

Mutter 2 mag zwar der Gewalt von damals abgeschworen haben, aber ihre dämliche Systemkritik ist nicht nur so wie sie von vorgestern, sondern hat jetzt da in der Serie auch nichts zu suchen. Da wieder eine Barriere zwischen Mutter und Sohn aufzubauen, ist so ziemlich die schlechteste Idee, die die Serie an dieser Stelle haben kann. Nicht nur weil sie auf einen emotionalen Pay-off verzichtet, sondern die Mutter dann wieder davonrennen lässt. Alle Geheimnisse um ihre Person wurden in dieser und der letzten Folge ausdiskutiert, was bleibt ist nur noch die Versöhnung mit dem Sohn und irgendein versteckter Nutzen, den sie für ihn haben kann. Kurz wird ja angedeutet, dass sie ihm den Ratschlag gibt, Tilia nicht zu trauen. Entweder sie kennt sie, aus Gründen die wir noch nicht erahnen können, oder sie hat tatsächlich das Zeug zur guten „Consigliera“. Also was hat Maria jetzt mit Mama Jaric über Lukas zu bereden? Warum haut sie nicht einfach ab, wenn ihr Sohn es offenbar zu gut und ernst mit ihr meint?

Ärgerlich ist obendrauf, dass der Moment, an dem Lukas die ganze Wahrheit erfährt, so brutal schnell und direkt inszeniert ist. Frau Ahorner sagt ihm einfach die Wahrheit, ihr Konflikt, was denn das Richtige für Lukas wäre, hat auch zwischen den Episoden stattgefunden. Da wäre auch mehr drinnen gewesen.

Nebenschauplätze

Endgültig keine Hoffnungen brauchen wir uns mehr machen, dass die Nebencharaktere in der Redaktion irgend eine relevante Rolle spielen. Im Gegenteil müssen wir schon froh sein, wenn Nicky, Johannes und Wolfgang nicht zum Fremdschämen peinliche Sätze sagen (müssen). Dieser absurde Nebenplot um Nickys (Alev Irmak) Kröte Susanne war weder lustig, noch hat die Symbolik irgend eine tiefere Bedeutung. Steht das Ding jetzt seit Jahren dort herum, dann muss Otto auch Bescheid wissen und uns wäre der schwachsinnige Halluzinationen-Subplot erspart geblieben.

Nicky braucht außerdem unbedingt neue Brillen oder Susanna hat das Beamen erfunden. Weil so slapstickhaft, wie sie die Kröte nie sehen kann, das geht auf keine Kuh- oder Krötenhaut. Und was ist mit dem Gift? OK, Wolfgang weiß das nicht. Aber dann überlegt Nicky nach Janas (romantischen wie logischen!) Kussidee ganz kurz ernsthaft und Jana selbst zieht zwar Handschuhe über ihre Haut, will aber dann mit ihren Lippen das grindige Viech küssen? So von Schleimhaut zu zu Schleim-Haut?

Jana hatte ja bis zu der Folge noch Chancen. Sie wurde in Folge 2 mit eigenem Opening eingeführt und durfte in ein paar Szenen mit Lukas lieb und für Otto hilfreich sein. Seitdem (Folge 3) ist der Charakter zwar nicht mehr entwickelt, aber auch nicht großartig beschädigt worden. Dafür wird uns jetzt mit der Brechstange und durch die in den letzten Folgen komplett untergetauchte Assistentin Astrid (Heidelinde Pfaffenbichler) wieder in Erinnerung gerufen, dass da eventuell mal was war und das Jana ja irgendwie in Lukas verliebt ist. Organisch ist anders.

Und sonst?

  • Sophie ist diese Woche komplett untergetaucht.
  • Karl kam gar nicht vor und er ist uns auch nicht abgegangen. Da Conny jetzt doch nicht Ottos Tochter ist, hat er jetzt wirklich gar nichts mehr zu tun.
  • War Ottos Verpeiltheit am Anfang noch halbwegs charmant, ist er inzwischen schon nicht mehr nervig, sondern weit darüber hinaus. So dumm, unfähig und gleichzeitig selbstverliebt, ohne jede positive und wiedergutmachende Eigenschaft. Da sag ich in vollem Ernst: Bravo Mischa Zickler, da haben Sie wirklich etwas besonderes kreiert.

4 Kommentare

  1. Georg Towner 16. Mrz 2019

    Hab eigentlich nur ich das versäumt oder warum wurde der Copstories-ORF-Direktor durch den Vorstadtweiber-Finanzdirektor ersetzt? Gibt’s dafür irgendeine Erklärung… Eberts (wie bei den Copstories hieß) war nun wirklich das geringste Problem der Serie! Bernhard Schir in einer so anderen Rollen als den Hadschi zu sehen war durchaus amüsant aber ich fand ja auch den ORF-Direktor eine gelungen Abwechslung zum Eberts…

    • Hannes Blamayer 17. Mrz 2019

      Gab produktionstechnische Gründe, keine narrativen – und da waren dann die ersten 5 Folgen (wahrscheinlich der 1. Drehblock) schon abgedreht. Mich hat Schir hier leider nicht überzeugt, hab nicht über eine seiner Zeilen schmunzeln können. Martin Zauner (Eberts in CopStories) gefiel mir besser.

  2. Maria 25. Feb 2019

    Danke für die Kritik! Gar keine Lists Liste heute? Ich finde, Fritz Karl als Lukas‘ Vater kann man schon erwähnen, weil es einfach eine nette Idee ist 🙂

    • Hari List Autor des Beitrages | 25. Feb 2019

      Nachdem Aaron schon Fritzs Vater in einer Rückblende in Meiberger gespielt hat nichts Neues mehr ;).
      Ist mir ehrlich nicht aufgefallen, weil nebenbei schreiben ist dann doch ziemlich schwierig und man schaut immer mal wieder weg. Danke für den Hinweis.

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