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Maximilian in Westeros – Pferde, Rüstungen, Brüste

Da in Österreich und Deutschland im TV selten etwas wirklich Originelles produziert wird, sind die unnötigen Vergleiche einfach nicht und nicht tot zukriegen. Auch nicht bei „Maximilian“ und „Game of Thrones“. Die Medien machen da bereitwillig mit.

Anmerkung: Dieser Text erschien im März 2017 kurz vor der Erstausstrahlung von „Maximilian – Das Spiel um Macht und Liebe“, die wir auch mit Kritiken begleitet haben.

Dass die österreichische Geschichte noch viele nichterzählte Stories bereithält, ist bekannt. In der Rezension des Publikums von historischen Stoffen treten immer drei Fraktionen auf:

  • Die, die meinen, dass alles historisch genau sein muss und vor denen dann auch keine Produktion bestehen kann.
  • Zweitens die nationalistischen Positivierer, die alles „beste Serie aller Zeiten“ und „viel besser als der Ami-Schaß“ heißen, was aus Österreich kommt.
  • Die dritte Gruppe hingegen ist enttäuscht, dass nicht jede Serie mit Pferden, Rüstungen und Brüsten so ist wie „Game of Thrones“.

Ich persönlich weiß nicht, wer davon dümmer ist. Klar ist jedenfalls, dass die dritte Gruppe nur bedingt selbst daran schuld ist. Geht es nach den Medien, dann gibt es kein Entkommen. Besonders absurd, wenn der ORF – als Produzent der Serie – den Vergleich bringt, nur um ihn widerlegt zu wissen. Denken Sie nicht an rosa Elefanten.

Aber es fängt schon mit dem Titel an. Maximilians historischer Spitzname „Der letzte Ritter“ war nicht spektakulär genug? Es musste wirklich „Das Spiel um Macht und Liebe“ sein? Auf ORF.at erblödet man sich nicht, das als „das echte Spiel um den Thron“ anzupreisen. So echt „echt“? Nur weil es ein auf historischen Ereignissen basierender Stoff ist? Ja offenbar, denn „Maximilian sei „kein Historienschinken, sondern ein historischer Politthriller irgendwo zwischen „House of Cards“ und „Game of Thrones“ – nur eben mit realem Hintergrund.“ Aha, die Politik steht also im Vordergrund. Aber warum titelt man auf der gleichen Seite:

Also wie jetzt? Inhalt oder Optik? Foto: Screenshot

Und die Printmedien?

Die Kleine Zeitung schreibt anlässlich eines Besuchs bei Komponist Matthias Weber in Los Angeles, wo er gerade gemeinsam mit Regisseur Andreas Prochaska an der Musik arbeitete: „Im Vorfeld wird das TV-Großereignis gerne als österreichisches „Game of Thrones“ gehandelt, eine US-Serie, die der Regisseur selbst auch liebt.“

Wirklich knuffig, wie sich die Kleine Zeitung hier ihre eigene Wirklichkeit schafft. Dieser Artikel erschien am 19. Mai 2016, zehn Monate vor der heute beginnenden Ausstrahlung. Bis auf eine Bildunterschrift in TV-MEDIA im September 2015, die Andreas Prochaska bei den Dreharbeiten auf einem Thron sitzend zeigt, kann ich keine anderen „Game of Thrones“-Vergleiche in deutschsprachigen Medien finden.

Eine Homestory in Los Angeles ist ein guter Beweis dafür, dass die Kleine verhältnismäßig viel (und frühe!) Berichterstattung über den österreichischen Film macht. Das ist lobenswert, heißt aber auch, dass sie selbst eben jenes „Vorfeld“ darstellt, das diese Vergleiche „handelt“.

Prochaska hat übrigens gleich widersprochen: „Maximilian hat mit Fantasy gar nichts zu tun. Wir haben weder Zwerge noch Drachen. Wir wollten […] diesen Production Value erreichen.“ Das heißt gar nichts. Jeder Film soll und will immer das Maximum aus seinen Ressourcen herausholen. „Game of Thrones“ hat massive Ressourcen. Aber die Serie hat auch die Pflicht, sich monetär zu rechnen. Das ist ein deutlicher Unterschied zu „Maximilian“, der Dreiteiler „muss“ nämlich gar nichts erreichen – an Quoten, DVD-Verkäufen oder Werbeumsätzen.

Eine ebenfalls überdurchschnittliche Filmberichterstattung würde ich der Tiroler Tageszeitung attestieren. Deren Vergleich äußert sich als Kritik am Untertitel „Ein Spiel von Macht und Liebe“ und referenziert auch den deutschen Namen der „Game of Thrones“ zugrundeliegenden Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“.

Richtig übel titelt Der Standard und wiederholt das noch einmal im Text: „[…] in die Oberliga seriellen Storytellings zu hieven und trotzdem nicht wie ein Game of Thrones für Arme zu wirken.“

In der Kritik der Oberösterreichischen Nachrichten ist man der Meinung, dass „die Assoziationen gewollt sind“, kritisiert damit aber eindeutig auf die Machart: „Denn selbstverständlich sind Gewalt und Sex im ORF-Hauptabend nicht so brutal und explizit wie in der erfolgreichsten HBO-Serie aller Zeiten.“

In den nächsten Tagen werden sicher noch einige Vergleiche kommen. Wie so oft in der Medien- und Kulturkommunikation fehlt es nicht nur dem heterogenen Publikum und den Journalisten an Verständnis für Nuancen, sondern sogar den Machern.

Die Vergleichsmöglichkeiten von „Game of Thrones“ und „Maximilian“ sind einfach enden wollend. Eine Pay-TV-Serie, mit 60+ einstündigen Folgen, basierend auf einer sehr erfolgreichen, fiktionalen Fantasybuchreihe, deren Budget für zwei Folgen das von „Maximilian“ übersteigt. Dass das Europa in den 1470ern ein politischer Fleckerlteppich schlimmer als der in Westeros ist, spreche ich auch in meiner Kritik an. Ebenso wie die Kunst, den Informationsaustausch in Zeiten vor modernen Kommunikationsmittel darzustellen. Das ist aber keineswegs einzigartig, speziell nicht für historische Serien.

Alles, was zum Vergleichen also übrig bleibt, sind Pferde, Rüstungen und Brüste. Ich hoffe ihr werdet nicht enttäuscht.

Links

Meine Kritiken zu den drei Teilen könnt ihr bereits lesen, wurden sie doch bereits 2017 bei der Erstausstrahlung verfasst.

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