Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Die besten ÖFilm-Trailer 2018

Was wäre Weihnachten ohne Bestenlisten? Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks widmen wir uns den besten österreichischen Spielfilmtrailern des Jahres. Da gab es dieses Jahr leider nicht viele zur Auswahl. Ein paar herausragende gab es aber doch.

Eingangs sei vorausgeschickt: Während wir bei Bruttofilmlandsprodukt schon die eine oder andere Expertise vorweisen können, ist die Dramaturgie von Trailern keine davon. Wir haben zu Trailern denselben Zugang wie die meisten medienaffinen Bewohner des Landes: Wir schauen uns Trailer an und bewerten anschließend, wie sehr sie uns verlocken, unsere Hintern von der Couch hochzuschwingen und ins Kino zu bewegen, um dort ein Ticket für den Film zu lösen.

Ob der Kinobesuch wirklich das Ziel eines jeden ÖFilm-Trailers ist, das sei dahingestellt. Vor allem dieses Jahr gab es wieder eine Vielzahl an Trailern, die ein großes Publikum regelrecht abzuschrecken wollen schienen und den künstlerischen Aspekt in den Vordergrund stellten. Bei schwierigen Nischen-Filmen wie „Ugly“ ist ja per se schon zu erwarten, dass sie nicht unbedingt ein Publikumserfolg werden – aber schreckt man die Leute nicht noch mehr ab, wenn man im Trailer nach rasanten und teils bildgewaltigen 40 Sekunden einen halbminütigen Ausschnitt präsentiert, bei dem wirklich rein gar nichts passiert oder erzählt wird? Einerseits ja lobenswert, dass der Trailer so offen ist und nicht versucht, das zu kaschieren. Andererseits: Sieht das wirklich jemand und denkt sich: Den muss ich sehen? 

Wir verstehen dabei natürlich auch, dass das bei so manchen Filmen eine Frage des Geldes ist, denn ein richtig guter Trailer kostet nun mal auch Zeit und Geld. Anders können wir uns Trailer, die eher lieblose Aneinanderreihungen von Ausschnitten des Filmes sind, nicht erklären. Etwa die Trailer zu „Ciao Chérie“ oder „Zauberer“ – letzterer dafür aber mit verheißungsvoller Musik bestens unterlegt.

Natürlich kommt es Trailern zu Gute, wenn die Filme dahinter gutes Material dafür liefern. Paradebeispiel dafür ist der Trailer von „Womit haben wir das verdient?“ – nicht sonderlich kunstvoll zusammengeschnitten, aber er funktioniert einfach deshalb gut, weil er auf gelungene Pointen zurückgreifen kann.

Trailer können aber auch mehr sein als das, nämlich Kunstwerke, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Trailer sind aber auch eine eigene Kunstform, die aber nur selten die Anerkennung (oder die Kritik) bekommt, die sie verdient. Das wollen wir hiermit nachholen – hier nun also unsere fünf liebsten ÖFilm-Trailer des Kinojahres 2018.

Platz 5 – Cops

Ein Trailer, der einem einen spannenden Thriller verspricht, voller richtig cooler und spannender Zitate – Roland Düringers „Die Wöd is koa Action-Füm“ ist wohl der beste Filmplakat-Werbespruch des ÖFilm-Jahres und am Ende des Trailers auch genau richtig platziert. Die Zitate in roter Schrift sind cool, nur das von orf.at ist zugegebenermaßen ein wenig unbeholfen – da der ORF den Film ja mitfinanziert hat, wirkt das wie Selbstlob. Bemerkenswert ist sicherlich, wie allein der Trailer schon eine außergewöhnliche darstellerische Leistung von Laurence Rupp verspricht. Verbunden mit der spannend dargestellten Eskalation der Psyche seines Charakters ist das eine gelungene Einladung ins Kino. Unsere Meinung zum Film hört ihr im Podcast.

Platz 4 – Styx

Der Trailer zu Styx widersteht der Versuchung, in den ersten Sekunden kurz zu etablieren, dass es sich um einen heiteren Segelbootausflug handle, auf den dann plötzlich die Stürme und Probleme niederbrechen. Stattdessen setzt uns dieser penetrante Pfeif-, Inteferenz- oder wasauchimmerdasist-Ton sofort unter Strom. Dass der Film mit Seenot aufwarten wird ist nicht weiter überraschend, aber worum es wirklich geht verrät der Trailer erst in seinen letzten Einstellungen, als die Protagonistin auf hoher See auf Flüchtlingsboote trifft. Was dabei dann tatsächlich geschehen wird verrät uns der Trailer allerdings nicht – alles, was wir sehen, ist Susanne Wolffs Fassungslosigkeit und ihr Trotz, trotzdem zu helfen. Das macht unheimlich neugierig – zurecht, wie wir in unserem Podcast zum Film feststellen durften.

Platz 3 – Erik & Erika

Der wohl traditionellste Trailer dieses Jahr, passend zu einem Film, der auch mit dem Thema Nostalgie arbeitet – zu sehen vor allem in den ersten Sekunden des Trailers. Die wunderschöne Musik untermalt sowohl die Euphorie der sportlichen Erfolge als auch das Drama nach Bekanntwerden seiner wahren Natur hervorragend. Einziger Minuspunkt: Markus Brandstätters Name ist bei dem dunklen Hintergrund nur mit Mühe zu lesen. Davon abgesehen aber ist der Trailer eine regelrechte Symphonie, bei der alles wie aus einem Guss wirkt.

Platz 2 – L’Animale

„Ich glaub, das hat eigentlich alles mit Angst zu tun. Also dass man nur frei sein kann, wenn man seine Angst überwindet.“ Der Trailer zu „L’Animale“ tänzelt nicht lange um seine zentrale Aussage herum, sondern bringt das in einer wunderschönen Montage auf den Punkt, die zeigt, dass scheinbar alle Hauptfiguren mit ihrem Leben hadern und einen Platz im Leben suchen, an dem sie akzeptiert werden so, wie sie sind. Die pulsierende, elektronische, auf jeden Fall euphorische Musik verheißt einen emotionalen Coming-of-Age-Film über Genderrollen, gesellschaftliche Erwartungen und über das jung und wild und frei sein. Bonuspunkte für die coolste Schriftart des Jahres. Schon allein wegen des so gelungenen Trailers hätten wir „L’Animale“ in unserem Podcast besprechen sollen.

Platz 1 – Die letzte Party deines Lebens

Es war nicht knapp. Der Trailer zu „Die letzte Party deines Lebens“ ist ein kleines Meisterwerk, das sich handwerklich in keinster Weise hinter Trailern von Hollywood-Blockbustern verstecken müsste. Da steckt sichtlich jede Menge Arbeit dahinter – von der eingeblendeten Schrift in Neonbuchstaben (inklusive Spezialeffekte wie Funken und so weiter) über Trailer-affine Einblendungen (die durchgestrichenen Fotos auf den Handys) bis hin zum nur Sekundenbruchteile sichtbaren Klassenfoto am Ende des Trailers, wo sämtliche Gesichter der Freunde durchgestrichen sind. Wow, hat sich die Arbeit bezahlt gemacht.

Der Trailer folgt einer klassischen Dramaturgie: Zuerst scheint die Welt heil, doch dann geht Jessy abhanden, dann taucht Luki nicht mehr auf, und schon steht die Frage im Raum: Hat es jemand auf unsere Klasse abgesehen? Die Gefahr ist greifbar, ohne dass der Trailer irgendeine Gewalttat spoilern müsste – zu verdanken ist das nicht nur den diversen panischen Sprüchen und den Glitch-artigen Störbildern, sondern wieder auch mal der treibenden Musik.

Bemerkenswert auch, wie gelungen der Trailer auf das Zielpublikum des Films zugeschnitten ist – der Trailer beginnt etwa mit Skeros „Kabinenparty“ und geizt nicht mit toll aussehenden, tatsächlich mit feierwilligen Maturanten gedrehten Partybildern. Auch die elektronischen Beats haben ganz klar die jungen Kinobesucher im Sinn. Zum Schluss verspricht Ostrowskis ironisches Voice-Over die legendärste Party eures Lebens, und implizit damit auch einen unvergesslichen Kinoabend. Auf keinen Film dieses Jahr haben wir sehnlicher gewartet als auf „Die letzte Party deines Lebens“ – zu verdanken ist das allein diesem Trailer. (Was wir dann vom Film selber hielten könnt ihr HIER nachhören.)

Und nun zu euch: Welche ÖFilm-Trailer haben euch dieses Jahr motiviert, ins Kino zu gehen?

Beitragsfotos: Filmladen, Constantin, Geyrhalter, Gebhardt

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.