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Presseschau: „M“ – Eine Serie sucht ihre Kritiken

Wir beobachten die Berichterstattung zu österreichischen Stoffen sehr genau und selten wird eine Serie in der Intensität besprochen, kommentiert und diskutiert, wie David Schalkos „M“. Hier einige ausgewählte Stimmen aus der deutschsprachigen Presse.

Wie tief wir uns mit „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ auseinandersetzen, könnt ihr HIER nachlesen. Jetzt geht es aber um die anderen Kritiken. Wenn man „M“ eines zu gute halten kann, dann dass die Serie für Gesprächsstoff im Internet sorgt.

tl;dr – Die Kurzfassung

  • Die Quoten von „M“ brachen zwischen Teil I+II und III+IV deutlich ein.
  • „M“ kann vor allem optisch überzeugen
  • Inhaltlich bemängeln die Kritiker das Gesamtkonzept

Quoten zum Straßenfegen

Ob die Serie „Das Zeug zum Straßenfeger“ hätte, fragt Stefan Grissemann im Titel seiner profil-Kritik und bleibt die Antwort im Text dann schuldig. Die Quoten sind da aussagekräftiger. Den Auftakt wollten sich durchschnittlich 605.000 Zuschauer am Sonntagabend nicht entgehen lassen. Mit einem Marktanteil von 18% entschied David Schalko das ORF-interne Match mit Rosamunde Pilcher (556.000/16%) knapp für sich. Drei Tage später dann der Absturz. Zur dritten Folge schalteten nur mehr 328.000 Leute ein, der Marktanteil schrumpfte auf 5%. Die vierte Folge konnte gleich danach zwar wieder ein paar Leute einsammeln, aber mit 341.000 spielte die Folge auf dem Niveau des ungeliebten und kaum promoteten Stiefkindes des ORF, den „CopStories„.

Falls ihr euch jetzt wundert, wie ein echter Straßenfeger aussieht dann schaut auf den Sonntag Nachmittag. Keine sechs Stunden vor „M“ wedelte Marcel zu WM-Gold und fast 1,4 Millionen Menschen waren dabei. 70% Marktanteil. An einem Sonntag. Bei schönem Wetter.

Daten: AGTT

Gestalterisch hui, …

Dass die optische Gestaltung der Serie beeindruckt, war schon lange vorher bekannt. Eine „schaurig-schöne Schneekugel“ sei Schalkos Wien, meint Sebastian Fellner in Der Standard. Michael Huber (Kurier) hebt hervor, dass es „M“ zwar eine beklemmende Atmosphäre und Unbehagen vermittle, aber – von den eigenen Möglichkeiten berauscht – manchmal nur gruselig sei, „weil’s halt geht„.

In Die Presse widmet sich Barbara Petsch in ihrem Text ausschließlich der Optik. Der Film erschaffe eine eigene Stadt, das gezeigte Wien sei wie das Paris in „Les Misérables“ oder „Quasimodo“ ein „Phantasma wie es nur der Film bietet„. Gunda Bartels sieht das im Berliner Tagesspiegel nicht unähnlich: „In erster Linie ist „M“ ein im Gewand eines hyperrealistischen Schauermärchens daher kommendes Porträt der Stadt Wien. Mal traumwandlerisch, mal sarkastisch im Ton und von Sphärenmusik umspült“.

…inhaltlich naja.

Wir wünschen dieser Serie ein großes Publikum; wo sie es finden soll, bleibt uns schleierhaft“, so Christian Buß im Spiegel. Da schwingt eine gewisse Irritation mit, die sich auch in anderen Kritiken wiederfindet. So auch bei Stefan Grissemann: „…man wird das Gefühl nicht los, dass dieses Projekt sich in Konstruktionsfragen verzettelt, seine Schauspielerelite gar nicht recht nutzen mag. Man kann diese Erzählung aus gutem Grund atmosphärisch nennen, spannend ist sie nicht.“

Carolin Ströbele lobt in Die Zeit zwar einzelne Performances und Momente, aber die Serie hinterlässt bei ihr keinen guten Gesamteindruck: „Den großen Bogen, das große Sittengemälde, das Schalko wohl intendiert hat, erkennt man allerdings nicht. Lang schaffte es damals, verschiedene Stilelemente wie Realismus und Groteske zu einem stimmigen Ganzen zusammenzubauen; in der Serie wirkt es eher wie eine Aneinanderreihung von Miniaturen, von denen einige großartig, andere eher belanglos sind. Ein Gesamtkunstwerk ist daraus nicht geworden.“

Michael Huber resümiert: „Zwischen der gekonnten, aber deshalb nicht zwangsläufig originellen Beweisführung, dass man in Österreich eh auch internationalen Serien-Codes genügt, und dem Zurückschnalzen ins Lokalkolorit – wann gibt’s eigentlich eine Ö-Produktion ganz ohne Kabarettelemente? – wirkt die Produktion untentschlossen. Der Anschluss an aktuelle politische Lage (Populismus! Flüchtlinge! Ressentiment!) wiederum erscheint allzu sehr gewollt.“

Der einzige, der die Serie wirklich uneingeschränkt positiv bewertet, ist Sebastian Fellner: „David Schalkos M – Eine Stadt sucht einen Mörder macht Spaß, jagt einem einen Schrecken ein, lässt staunen, macht Gänsehaut, ekelt, gruselt, sorgt für Wut. Kurz: M ist gutes Fernsehen, das man gern weiterschauen mag.“

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