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Die besten österreichischen Kinospielfilme 2018

Ein guter Filmjahrgang geht zu Ende. Es wird also Zeit die Besten der Besten österreichischen Spielfilme 2018 herauszupicken. Vorsicht, diese Liste könnte Qualität enthalten.

19 von den 21 zum Österreichischen Filmpreis eingereichten Filmen hat zumindest einer aus dem BFP-Team gesehen und bewertet. Dazu kommen drei weitere fiktionale Koproduktionen, die nicht eingereicht wurden. Aus diesen 22 Filmen haben wir die besten 5 nach dem auch im Podcast verwendeten Punktesystem (1-10) ermittelt.

Der österreichische Anteil am Film hat – anders als z.B. beim Österreichischen Filmpreis – für unser Ranking keine Rolle gespielt. U.a. deshalb finden sich in den Top 5 gleich zwei Filme, die dort nicht als Bester Spielfilm nominiert werden hätten können.

Platz 5 – Das Testament

Die israelisch-österreichische Koproduktion „Das Testament“ flog hierzulande fast völlig unter dem Radar. Der Film hat sich definitiv mehr als 569 Zuschauer (Stand 11.12.) verdient und ihr solltet ihn bei Gelegenheit unbedingt nachholen. Wenn auch der Trailer einen spannenden Thriller suggeriert, ist der Film insgesamt etwas ruhiger.

In dieser Ruhe liegt aber eine emotionale Wucht, die man selten sieht. Aufarbeitung des Holocaust nicht als Doku, sondern als Spielfilm. Der Wettlauf gegen die Zeit, gegen das Vergessen und die (österreichischen) Behörden und ein Familiendrama an mehreren Fronten eines orthodoxen Historikers, ohne dass dabei der Humor zu kurz kommt. Was will man mehr?

Mehr zum Film in unserem Podcast.

Platz 4 – Ciao Chérie

Auch der Trailer von „Ciao Chérie“ verkauft den Film anders als er wirklich ist. Wie Hannes in seiner Liste der besten Trailer auch angemerkt hat sind da einzelne Fragmente relativ lieblos aneinandergereiht und es ist keine echt Werbung für den Film. Nina Kusturicas Arbeit ist jetzt auch kein Actionkracher, der uns aus den Sitzen gerissen hätte. Es ist aber eine präzise, wunderbare Sozialstudie auf engstem Raum, die zum Nachdenken anregt und zum Lachen und Weinen bringen kann.

Ein weiterer Grund, warum der Film in unserer Gunst weit oben steht, ist der Vergleich mit einem der schlechtesten Filme des Jahres: „Angelo“ (Podcast). Mit nur einem 15tel des Budgets erzählt „Ciao Chérie“ mehr über Österreich und Wien, Migration und Integration, Identität und dem „Leben der anderen“ als „Angelo“ es je könnte. Wo „Angelo“ hauptsächlich anstrengende Kunst sein will, interessiert sich „Ciao Chérie“ tatsächlich für das Leben seiner Protagonisten und lässt uns – obwohl auch der Film seine Längen hat – mit neuen Erfahrungen nachdenklich aus dem Kino gehen.

Platz 3 – Cops

Dass dieser ausgezeichnete Film nur auf Platz 3 steht, ist ein Indiz dafür, wie hervorragend das Filmjahr 2018 war. „Cops“ holt sich einen von zwei 9ern ab, die das BFP-Team in diesem Jahr bei der Bewertung vergeben hat.

Wichtig zu erwähnen: „Cops“ ist keine Doku des Polizeialltags und liefert auch keine Antworten. Es ist eine Geschichte im Umfeld der Spezialeinheit WEGA, nicht mehr und nicht weniger. Wenn der Film darüberhinaus unterhält, zum Nachdenken anregt und auch gut inszenierte Action liefert, kann man da noch mehr wollen?

Es scheitert dann am eigenen Anspruch. „Cops“ drängt sich nämlich auf, schreit förmlich „Ich bin wichtig“, kann das aber dann einfach nicht einlösen. Speziell das Ende bringt den Film um eine bessere Platzierung. Alles weitere dazu hört ihr im Podcast.

Platz 2 – Styx

Eine Frau alleine auf einem Segelboot. Reicht für Silber. „Styx“ ist ebenso wie „Cops“ ohne Antwort auf die Probleme, die der Film aufzeigt. Der große Mehrwert liegt auch hier auf den technischen und optischen Aspekten, bei denen der Film wirklich Großartiges leistet und an der Leistung von Susanne Wolff. Mehr braucht man an dieser Stelle eigentlich gar nicht sagen, alles weitere haben wir im Podcast besprochen.

Nicht zugelassen in der Kategorie „Bester Film“ würde Styx der Nummer 1 zwar auch dort unterliegen, aber immerhin gäbe es dort sowas wie Spannung. Weil der absolut beste Film des Jahres ist…

Platz 1 – Murer – Anatomie eines Prozesses

Das war nicht einmal knapp. „Murer“ ist der einzige Film aus dieser Liste, der auch als Bester Film für den Österreichischen Filmpreis nominiert ist und wird sich, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, auch souverän die Statuette abholen.

Packendes Rechtsdrama in mehreren Sprachen, das einen für die Republik blamablen Prozess aus den 1960ern aufrollt. Brutal zum Zuschauen und exzellent inszeniert. Exzellent und durch und durch unösterreichisch. Schnell, keine unnötigen Standbilder, zahlreiche Einstellungswechsel und Schnitte, wo sie hingehören. Es klingt fast ein wenig absurd, aber das ist einfach nicht selbstverständlich. Wenn bei „Cops“ (eher fälschlich) behauptet würde, dass auch die „Amis keine besseren Polizeifilme machen könnten“, dann gilt für „Murer“ 100x, dass Gerichtsdramen kaum besser inszeniert werden könnten. Danke Christian Frosch für diesen Film.

So, und jetzt seid ihr dran. Einwände? Ergänzungen? Eigene Top 5-Listen? Nur her damit!

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