Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Vorschau: Walking on Sunshine – Staffel 1

Mit „Walking on Sunshine“ versucht sich endlich wieder einmal eine heimische Produktion an Comedy. Wir werden die Serie Folge für Folge begleiten, haben aber auch schon mal vorab reingesehen – ausnahmsweise spoilerfrei!

„Walking on Sunshine“ macht seinem Namen alle Ehren: Die Dramedy rund um ein Team eines Wetterstudios ist ein heiteres Stück Fernsehen, das am 7. Jänner um 20:15 Uhr auf ORFeins mit einer Doppelfolge starten wird.

Die Prämisse ist schnell erklärt: Der wegen Alkoholmissbrauchs dauerhaft beurlaubte ZIB-Moderator Otto Czerny-Hohenburg (Robert Palfrader) wird vom ORF-Generaldirektor (Martin Zauner) dazu gebracht, den neuen Wettermann zu mimen. Der Chefredakteurin des Wetters Tilia Konstantin (Proschat Madani) schmeckt das gar nicht – nicht zuletzt deswegen, weil sich die beiden offenbar kennen und wenig voneinander halten.

Otto Czerny-Hohenburg (Robert Palfrader) in seiner neuen Wirkungsstätte.  Foto: ORF/Hubert Mican

Keine One-Man-Show

Wer nun denkt, „Walking on Sunshine“ wäre die neueste große Palfrader-Show, irrt. „Walking on Sunshine“ ist durch und durch eine Ensemble-Serie. Palfrader-Fans werden zwar sicher auf ihre Kosten kommen, aber die Serie hat noch viele weitere Eisen im Feuer. Überraschend ist, dass Palfrader im Vorspann nicht einmal als Erster gelistet wird – diese Ehre wird Aaron Karl zuteil, der den Praktikanten Lukas spielt und somit im Herzen der Redaktion sitzt.

Full House in der Wetterredaktion. V.l.: der Regisseur (Aleksandar Petrovic), Chefin Tilia Konstantin (Proschat Madani), ORF-Generaldirektor (Martin Zauner) und die Redakteure Nicky (Alev Irmak) und Johannes (Georg Rauber).  Foto: ORF/Hubert Mican

Dort ist es auch, wo sich die meisten Geschichten von „Walking on Sunshine“ abspielen, wo die zwischenmenschlichen Problemchen und durchaus recht romantische Verwirrungen auf Wetter-Wortwitze und Gags treffen. Der aufrichtige Lukas, dessen Leben kurz davor ist völlig auf den Kopf gestellt zu werden, ist da aber noch die langweiligste Figur. Die Serie verfügt da aber eine ganze Armada an Redakteuren im Hintergrund, die allesamt schnell eine Kontur bekommen und in denen jede Menge Konfliktpotential steckt.

Wer noch nie beim ORF im Studio war, wird es sicher auch interessant finden, mal zu sehen, wie die Dinge da so (oder so ähnlich) ablaufen. Alles natürlich dramatisch überspitzt, in beiden von uns gesichteten Folgen läuft es darauf hinaus, den Bericht in letzter Sekunde noch fertig zu stellen – mal sehen, wie die Serie da für Abwechslung sorgen wird, aber zunächst funktioniert das ganz gut.

Aus dem Cast stechen sicher Jana Fischer (Tanja Raunig) und Conny Ulrich (Selina Graf) heraus. Während erstere eine witzige Variante des klassischen hässlichen Entleins darstellt, ist letztere ein spannender Bruch dieses Archetypen. Conny wird uns zunächst als unglückliche und übergangene Redakteurin präsentiert, der aufgrund ihres Aussehens verweigert wird, vor der Kamera aufzutreten. Stattdessen muss sie zusehen, wie ihre Kollegin Sophie (Miriam Fussenegger) nicht nur von der Kamera umworben wird, sondern auch von Lukas. Selbst die Polizei scheint sie zu misshandeln – kann die Welt denn ungerechter sein?

Da erwartet man zunächst, dass Conny den klassischen Female-Empowerment-Charakterbogen beschreiten würde, wo sie nun durch Fleiß und harte Arbeit es allen zeigen würde. Doch „Walking on Sunshine“ hat anderes im Sinn. Nur so viel sei verraten: Conny wird dabei nicht unbedingt zur Sympathieträgerin, aber gerade das macht sie zur zu Beginn spannendsten Figur der Serie.

Conny (Selina Graf, rechts) fühlt sich von Sofie (Miriam Fussenegger) übergangen. Foto: ORF/Hubert Mican

Zu Gute kommt ihrer Rolle dabei, dass sich ihre Konflikte allesamt in der Wetterredaktion abspielen. Dort fühlt sich die Serie sichtlich zu Hause. Leider eröffnet die Serie aber auch mehrere große Handlungsstränge mit Verschwörungen und großen Geheimnissen, von denen noch nicht absehbar ist, ob sie überhaupt etwas mit dem gesamten Team im Wetterstudio zu tun haben werden. Da gibt es einmal ein millionenschweres Erbe, das einem der Figuren in den Schoß fällt, und einmal eine große politische Verschwörung samt Erpressung. Bei beiden bleibt die Serie zunächst einen Payoff schuldig – emotional, witzig oder sonderlich spannend sind diese Geschichten jedenfalls vorerst nicht, sondern sind eher eine Ablenkung. Das Herz der Serie pulsiert in der Wetterredaktion.

Und wie lustig ist das Ganze?

Teils sehr. Wir haben mehrmals schallend gelacht. Humor ist aber nicht nur Geschmackssache, sondern auch die schwierigste aller Disziplinen in der Fiktion. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein paar versuchte Scherze nicht unbedingt zünden, was dann natürlich schnell einen etwas faden Beigeschmack hat. Andererseits wartet die Serie aber auch mit ein paar richtig gelungenen Running Gags auf, die der Serie nicht zuletzt mit Hilfe des Kostümdepartments gelingen.

Was schon auffällt, ist, dass sich Drehbuchautor Mischa Zickler einer Kunstsprache bedient, die nicht immer ganz wahrhaftig ist. Die ist gerade zu Beginn unheimlich erklärend und alleinig für den Zuschauer gedacht, damit für diesen schnell klar wird, wer etwa Otto Czerny-Hohenburg ist und warum er zu Hause im Seidenpyjama rumlungert. Andererseits kann die Sprache aber auch ungemein verspielt sein. Vor allem wenn die Schauspieler minutenlang hektisches Ping Pong mit ihren Dialogen spielen setzt da ein regelrechter Rhythmus ein, der köstliche verbale Perlen beinhaltet, und der einen dann doch versichert, dass man bei „Walking on Sunshine“ in guten Händen ist.

Andererseits arbeitet die Serie auch mit einem langsamen, sich mit dem Bild oft doppelenden, merkwürdig voyeuristisch intonierten Voice-Over, an dem sich die Geister scheiden werden. Nicht scheiden werden sich die Geister aber an den opulenten Bildern, die das Voice-Over zu Beginn jeder Folge begleiten – eingefrorene Standbilder, durch die die Kamera jedoch geradezu magisch schwebt. Kombiniert mit den frischen Sets der Redaktion bzw. des Wetterstudios – und wie oft dürfen wir da schon hinter die Kulissen blicken? – macht das „Walking on Sunshine“ zu einem richtigen Hingucker.

Ausblick

Dass wir weitergucken werden, steht ohnehin fest. Auch 2019 werden wir wieder fleißig die meisten ÖSerien episodisch mit Artikeln begleiten – so auch „Walking on Sunshine“. Es sei vorausgeschickt: Das eine oder andere Wetter-Wortspielchen werden wir uns dabei wohl nicht verkneifen können. Wer das aushält, den laden wir ein, die Serie mit uns ab 7. Jänner zu verfolgen. Die Serie startet um 20:15 Uhr, unsere erste Rezension gibt’s dann direkt nach Ende der Doppelfolge.

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.