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Kritik: Walking on Sunshine 1×05

In einer ziemlich witzigen Folge lässt uns „Walking on Sunshine“ bei Tilia hinter den Vorhang blicken. Wie bei sovielen Figuren können wir da aber weniger mitempfinden als erhofft.

Halb Komödie, halb Drama

„Walking on Sunshine“ ist eine witzige Serie. Folge 5 war vielleicht sogar jene Episode mit der höchsten Gag-Dichte. Klar, manche Witze zünden nicht, was besonders dann auffällt, wenn sich die Serie in einen ihrer Gags zu sehr verliebt. Das ist etwa beim Grafiker Anton Kamper der Fall – die Hitler-Grafik war ja echt ganz witzig, aber eine gute Punchline ist nicht zwei ganze Szenen wert. Aber im Großen und Ganzen gab es in der aktuellen Folge nicht nur viele witzige Sprüche („Als Wienerin weiß ich, dass man auch bösartig sein kann, ohne dass es einem was nützt.“), sondern auch viel Situationskomik.

„Walking on Sunshine“ ist aber eine Dramedy – also halb Komödie und halb Drama-Serie. Davon abgesehen steckt ohnehin im Herzen einer jeden guten Komödie auch ein gutes Drama. Und als solches lässt „Walking on Sunshine“ in letzter Zeit öfters zu wünschen übrig – was kurioserweise dem Gegenteil von unserem Ersteindruck entspricht. Wir versuchen nach der Hälfte der 1. Staffel zu eruieren, warum uns „Walking on Sunshine“ Folge um Folge relativ gut unterhält, aber schlussendlich doch recht kalt zurücklässt.

Foto: ORF/Hubert Mican

Figuren, die wir lieben können

Ein großes Problem ist, dass uns die Serie nicht erklärt, warum wir uns um all diese Figuren allzu kümmern sollten. Das klappt bei manchen Figuren durchaus ausgezeichnet – Connys Enttäuschung über die nicht gehaltene Moderation in der vorherigen Folge war zweifelsohne das emotionale Highlight bislang, und das obwohl sie eigentlich zu den garstigsten Charakteren gehört – bei manchen Figuren aber noch so gar nicht.

Das gilt für niemanden mehr als für Karl Czerny-Hohenburg, bei dem sich nach einer halben Staffel immer noch die Frage stellt, warum diese Figur überhaupt zum Hauptcast gehört – und noch dazu im Vorspann an vierter Stelle gelistet wird. Der Figur fehlt es einerseits an Bezugspersonen – das war (laut unserer Zählung) die erste Folge, in der er mit einer anderen Hauptfigur als Tilia interagiert hat. Viel wichtiger ist aber, dass die Serie nicht dafür gesorgt hat, dass wir einen emotionalen Bezug zu Karl aufbauen. Warum sollten wir uns darum kümmern, ob er gegen den Minister aussagt oder nicht? Weil dann seine Firma in Gefahr ist, von der wir nie was sehen? Weil das seine politische Karriere zerstören würde, von der wir nie was sehen? In jeder neuerlichen Folge geht uns das bei uns bei einem Ohr rein und beim anderen raus.

In Folge 5 wird nun zumindest endlich der Versuch unternommen, ihn uns mit einer Liebeserklärung an Tilia ein wenig näher zu bringen. Aber erstens hört sich die wahnsinnig hölzern an und zweitens wird sie dann später ohnehin von Karls Affäre Lügen gestraft. Und so tut es rein gar nicht weh, mit Tilia gemeinsam zu erfahren, dass er sie betrügt. Hemmungslos. Seit Jahrzehnten. Stattdessen begegnen wir dem mit einer diffusen Indifferenz. Und das ist ein Problem, das sich leider durch die Serie zieht.

Karl ist nämlich nicht das einzige größere Fragezeichen im Cast. Auch Sofie ist mir ein Rätsel – und ein noch größeres Rätsel ist es, was Lukas in ihr sieht. Vor allem, nachdem er sie in Folge 4 erwischt hatte, wie sie den Ring seines Großvaters in ihrer Tasche mitgehen lassen wollte. Es ist noch so halbwegs verständlich, warum er einen ganzen Tag lang wartet, um sie damit zu konfrontieren – da kann er davor nochmal mit ihr schlafen, bevor er riskiert, sich mit ihr zu zerstreiten. Aber als sie ihm dann tatsächlich keinen guten Grund liefern kann (selbst wenn der liebe Lukas ihr noch einen möglichen Grund anbietet!), ist es mehr als verwunderlich, dass er den Rest der Folge keinerlei Bezug mehr darauf nimmt. Mehr noch eigentlich: Es scheint ihm fast egal zu sein.

Falls er das wegen einer rosaroten Brille durchgehen ließe, hat es die Serie versäumt, um uns diese rosarote Brille zu erklären – seine Zuneigung zu Sofia ist bislang nur behauptet, aber wirklich mitfühlen können wir da nicht. Schon klar, dass wir Lukas und Tanja shippen sollen – aber wenn die Serie erzählt, dass Lukas und Sofie was miteinander anfangen, dann sollte sie das schon auch erklären.

Shipshipshipshipship! Foto: ORF/Hubert Mican

Andererseits legt da die Serie bei Lukas endlich nach. Als Lukas in Episode 3 erfuhr, dass das Skelett in seinem Keller sein Vater war, untergrub die Serie noch jegliche Emotion mit einem schlechten „Luke, ich bin dein Vater“-Witz. Beim Grab seiner leiblichen Eltern beweist die Serie nun deutlich mehr Feingefühl dafür, wann sie auf ernst setzen muss – und dank der Musik ist das auch tatsächlich ein wenig emotional. Ein wenig, denn seine Identitätssuche ist jetzt nicht sonderlich stark als Thema entwickelt worden, und insgesamt fühlt sich diese Storyline nach wie vor wie aus einer anderen Serie entnommen. Sollte es nicht eigentlich um eine Wetterredaktion gehen?

Ideen an der Wand

Und damit wären wir bei unserem zweiten Punkt angekommen, der uns die Serie nicht so recht lieben lässt. Die Geschichte rund um Lukas ist nämlich nicht die einzige, die ein wenig aus dem Rahmen fällt – was die Frage in den Raum stellt, was denn dieser Rahmen ist. Die vielen Geschichten, die „Walking on Sunshine“ auf zum Teil durchaus sehr unterhaltsame Weise erzählt, ergänzen sich nicht wirklich zu einem größeren Ganzen. Manchmal bekommt man das Gefühl, dass die Serie ihre vielen guten Ideen an die Wand wirft und abwartet, was davon hängen bleibt.

Da ist zum Beispiel Ottos Gespräch mit der Maskenbildnerin am Ende der Folge, als er sie anmacht. „Das ist weder charmant noch lustig„, erwidert diese genervt – offensichtlich nicht das erste Mal, dass ihr sowas passiert. In gut 30 Sekunden dramatisiert die Serie da präzise eine wichtige Facette der #metoo-Debatte. Das ist schön und gut – aber passt irgendwie so rein gar nicht in diese Folge. Es gibt keine thematischen Parallelen, passt nicht zu Ottos Charakterbogen, wurde nicht vorgebaut oder nachbereitet. Vielleicht macht die Serie noch was in späteren Folgen daraus – aber selbst in diesem Fall hätte die Serie das eleganter einbetten können.

Ähnliches gilt für den eingangs bereits erwähnten Anton Kamper. Seine beiden Szenen haben mit den anderen Geschichten der Folge rein gar nichts zu tun und sind neben dem einen Mega-Gag reine Zeitschinderei. Noch dazu stellt ihn die Serie als so hübsch da, dass ihm sämtliche Mädels der Redaktion zu Füßen liegen – was nicht wirklich mit deren sonstigem Verhalten zu vereinbaren ist.

Ebenfalls völlig losgelöst von sämtlichen anderen Geschehnissen der Folge ist die dieswöchige Last-Minute-Rettung der Wettermoderation. Dass die Serie da nochmal ein wenig Spannung rauskitzeln will ist ja verständlich und eh eine gute Idee. Otto und Sofie improvisieren zu sehen macht nicht nur Spaß, sondern lässt die beiden auch sympathischer (weil kompetenter) wirken. Nur leider ist das nicht beispielsweise das direkte Resultat vom Auftritt von Anton Kamper (dessen neue Grafik auch gleich getestet und dadurch irgendeinen Fehler verursachen hätte können – wie cool wäre es gewesen, wenn sie 2 Minuten vor Sendung auf das Hitler-Bild aufmerksam geworden wären?). Oder einem Arbeitsstreik von Wolfgang. Oder Ottos Alkohol-Rückfall. Oder oder oder. Handlungsstränge hätte die Serie ja genug zur Auswahl.

Stattdessen ist es eine Unaufmerksamkeit wegen des allgemeinen Trubels. Das wirkt beliebig und konstruiert. Zudem lässt das die Redaktion wie totale Trotteln dastehen – es ist schließlich nicht das erste Mal, dass in „Walking on Sunshine“ eine Übertragung alles andere als professionell auf den Bildschirmen der fiktionalen ORF-Zuseher erscheint, und so langsam verliert das seine Glaubwürdigkeit – nie sehen wir in der Serie, wie diese unprofessionellen Sendungen geahndet werden.

Foto: ORF/Hubert Mican

Das letzte Beispiel, auf das wir hier eingehen wollen, ist Ottos Rückfall. Es ist eine äußerst kuriose Entscheidung, die größte und dramatischste Wendung seiner bisherigen Geschichte – von seiner Einstellung als Wettermann im Piloten mal abgesehen – in seiner ersten Szene der Folge zu verbraten. Definitiv ein Twist, der als Cliffhänger am Ende von Folge 4 besser aufgehoben gewesen wäre, denn so ist der Tränenausbruch seiner Tochter kaum emotional nachzuempfinden.

Und so erzählt „Walking on Sunshine“ in seiner 5. Folge nicht zum ersten Mal ein Sammelsurium an Stories, die eher zusammengewürfelt wirken, anstatt eine größere Geschichte zu erzählen. In Ansätzen ist das durchaus vorhanden – die Rettung der Redaktion durch ein pfiffiges juristisches Schlupfloch ist genau die Art von Handlung, die die Ameisenkönigin und ihre Ameisen zueinandertreibt. Davor, danach und dazwischen gibt’s die Abenteuer von Lukas, Otto und Tilia in ihren eigenen Sphären – die kaum Parallelen aufweisen und jeweils für sich wenig große emotionale Wirkungen entfalten. Unterhaltsam, aber ohne je wirklich zu befriedigen.

Noch mehr Bla:

  • Ich sag’s bei jeder ÖSerie, die das macht: Ich hasse es, wenn Serien ihre Folgen nicht betiteln, und kann einfach nicht verstehen warum. Das ist der einfachste Weg, um rote Fäden zu ziehen, zusätzliche Subtexte einzubauen oder zumindest noch das eine oder andere Wetter-Wortspielchen unterzubringen.
  • Total super: der Cliffhanger, ob Otto nun noch lebt oder nicht. Ganz mies: die Vorschau auf nächste Folge, die die Frage beantwortet. Schade, mich hätte die Serie ordentlich drangekriegt.
  • Hat die Automechaniker-Detektivin nicht schon in der 2. Folge damit gedroht, die Affäre auffliegen zu lassen?
  • Ich mag es sehr, wie Zickler in Dialogen oft mit Erwartungshaltungen spielt. Etwa wenn Otto fragt, ob er etwas getrunken habe, und der Kellner antwortet: „Naa… ‚türlich!
  • Einer der besten Gags: wie sich Otto vollspachtelt, während die anderen Mitarbeiter wegen Löhnen, Verträgen, Versicherung usw. vom Generaldirektor beschwatzen lassen. Gerne mehr Gags, die so ein bisschen im Hintergrund mitschwingen.
  • Mal ein Sonderlob an die Musik – sowohl die humorvoll-beschwingten als auch die melancholischen Stücke bereichern die Serie merklich.

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