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Kritik: Walking on Sunshine 1×07

Endlich ein Sonnenstrahl. Nach den eher bescheidenen letzten Episoden zeigt „Walking on Sunshine“ diese Woche wieder Potenzial. Dafür hauptverantwortlich der Charakter, den wir eigentlich schon abgeschrieben hatten: Conny.

Mein voller Ernst. Connys Delogierung, ihre verzweifelte Herbergssuche und Ottos und unsere abschließende Erkenntnis, dass sie es war, die auf ihn geschossen hat, war eine gute Story.

Erstmals greifen die einzelnen Episodenstränge wirklich ineinander. Wie Conny bei ihren Eltern abblitzt, weil die grad eigene (und ernsthafte) Probleme haben und so jetzt vielleicht wirklich eine Art Reifeprozess angestoßen wird (wenn auch mit Hilfe der Barkeeperin). Ottos und Franzis gemeinsame Suche nach dem wahren Täter, wie wohl stellenweise schlecht gespielt und langweilig, kommt zu einem Ende. Berührend auch der Moment zwischen Vater und Tochter und das Hin und Her um den Blutregen in der Wetterredaktion sorgt für ein schönes Bild am Ende, als der auf Connys weiße Jacke tropft.

Es regnet, es regnet Blut, Es regnet, den Drehbuchfluch. Foto: Screenshot

Aber es ist nicht auch so, dass es nicht auch ganz viele Szenen gäbe, bei denen wir uns wieder an den Kopf greifen. Wir können uns auch gut vorstellen, was sie theoretisch bezwecken hätten sollen: Spannung oder Dringlichkeit. Diese Szenen hätten relevant für den Plot sein können, verenden dann aber während wir dabei zuschauen. Der einzige Lichtblick war der Deutsche Hr. Jenes, der einerseits Humor und Moral hat, andererseits gleich erkennt, wer in der Wetterredaktion wirklich etwas draufhat. Auch steht er drüber und verrät Sophie nicht an Lukas und die anderen. So weit ist es also schon gekommen, dass der deutsche Heuschreck der einzige Sympathieträger ist.

Gleich zu Beginn zählen Tilia und der „neue General“ Tage von einem Kalenderblatt ab und der erfahrenen Top-Managerin ist nicht klar, dass der Samstag als Werktag zählt. Und jetzt hat sie nur mehr so viel Zeit anstatt noch so viel. So viel Spannung. Es war schon in der letzten Folge klar, dass die Zeit drängt. Die Wiederholung des Gesprächs mit Lukas, das Verhandeln über Details, all das hätte im Off – also zwischen den Episoden – stattfinden können.

„Hast du gewusst, dass Samstag eigentlich ein Werktag ist? Dass Investoren Anteile haben wollen? Außerdem gibt’s sicher keinen Blutregen sag ich und so kommt’s auf Sendung, obwohl ich im Vergleich zu allen anderen keinen Abschluss in Meteorologie hab. Aber nein, du kannst nicht kurzfristig bei mir wohnen. Es ist nur zu deinem besten. Manchmal frag ich mich ernsthaft, warum du so lebensunfähig geworden bist?“ Foto: ORF

In den Verhandlungen mit Lukas stellen sich dann beide wie naive Anfänger an, aber mit starken Vorteilen für Tilia. Lukas will „nur“ 26% für EINE MILLION Investment? Aber immerhin lässt er sich nicht mit einem stillen Anteil abspeisen. Ein Argument von ihm hätte ja auch noch sein können, dass immerhin einer der Eigentümer auch Meteorologie studiert haben sollte, damit so ein Wetterkanal auch ernstgenommen wird.

Und was hat Tilia erwartet? Dass der gutmütige Depp einfach so die Kohle rüberschiebt und sich mit „Rendite“ zufrieden gibt? Wir kennen Lukas noch nicht so lang wie sie und haben auch begriffen, dass ihm Geld nicht wirklich wichtig ist. Also warum sollte ihn das überzeugen?

Aber dann kommt von irgendwo das Tresorfach ex machina daher, in dem Karl mehr als eine Million bunkert. Tilia hat vorher den Tresor ausgeräumt, aber dass sie das übersehen hat, ist nur ein weiterer Moment, der uns massiv an ihr zweifeln lässt.

„Du hast den Pudding immer nur gefunden, weil ich im Tresor vor lauter Geld keinen Platz mehr hatte. Wir hätten aber auch einfach keinen einkaufen brauchen, aber ich habe viele Fehler gemacht in meinem Leben. Ich bin schließlich dein Vater.“ Foto: ORF

Das ist das zentrale Problem von Tilia Konstantin und von „Walking on Sunshine“ im allgemeinen: Es gibt keine klare Linie. Die Serie hat sich nach den guten ersten zwei Folgen einfach nicht finden können. Die deutlich zurückgehenden Zuschauerzahlen (siehe unten) und auch die öffentlichen Kommentare sprechen ein relativ klares Bild. Schauen wir einmal, ob sich die Serie nächste Woche noch erfängt.

Und damit kürzen wir diese Woche jetzt hier auch ab. Es macht mir wirklich keinen Spaß, all die sinnlosen bis eher schlechten Szene der Reihe nach zu zerlegen: Lukas‘ Familie vor und in der Villa; Ottos Erkenntnis, dass er ja nur „ein großer Bub sei“; alles mit Sophie „Das Universum ist schuld, dass ich ein Arschloch bin“ Mitterndorfer; diese zwei Polizisten, die offenbar auch im Kriminalfall ermitteln. No more.

Falls ihr aber Bedürfnis hat über eine Szene zu reden, dann laden wir euch herzlich ein uns ein Kommentar zu hinterlassen.

Links

  • Ich hatte ja vermutet, dass Franzi es war, die auf ihren Vater geschossen hatte. Nicht um ihn zu verletzen, aber um ihn mit einer drastischen Aktion quasi wachzurütteln. Wir erinnern uns, dass es in der letzten Folge auch tatsächlich einen Läuterungsprozess bei Otto gab. Bei der gemeinsamen Suche hab ich erwartet, dass Franzi irgendwann explodiert – Gründe liefert ihr Otto mit seinem Narzissmus ja genug – und ihn konfrontiert, woraufhin er sich vielleicht wirklich und dauerhaft ändert.
  • Diese Intros faszinieren und irritieren mich seit Anfang an, aber diese Woche will ich nicht auch darauf wieder in 5 Absätzen eindreschen. Nur eine kurze Intro-Checkliste: Frau Cerwenka, Jana, Gabi Blaha, Otto & Zähne, Tilia, Otto & Tod, Conny. Es sind nicht nur die Relevanz und die technische Finesse, die schwanken, sondern auch in der Abfolge und der Charakterwahl ist einfach kein System drinnen. Und das mag ich nicht.
  • Bildungsauftrag: Es ist in Österreich nicht klar geregelt, ob der Samstag als Werktag zählt oder nicht. Das ist tatsächlich in jedem Gesetz, das die Wochentage unterscheiden muss, extra geregelt. Oder auch nicht. Österreich, mon amour.

Quotenverlauf

#DatumDRWDRW%MA%
1Mo., 7. Jan. 789.0001123
2Mo., 7. Jan. 720.0001022
3Mo., 14. Jan. 623.000819
4Mo., 21. Jan. 639.000920
5Mo., 28. Jan. 600.000818
6Mo., 4. Feb. 542.000716

Ein Kommentar

  1. Timboeck 12. Feb 2019

    Immerhin hat sich meine Frage nach Connys Nachnamen in dieser Folge beantwortet. Bin gespannt ob ihr leiblicher Vater mit dem Namen Ulrich noch eine Rolle in der Serie spielt.

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