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Kritik: Walking on Sunshine 1×03

Tilia macht Kaffee, Jana posiert, Conny ist doof, Lukas ist nackt, Karl macht Konfetti und Otto ist Otto. Ganz schön viel los in der heutigen Folge „Walking on Sunshine“.

Unsere Kritik zu den ersten beiden Folgen schon gelesen?

Das Haus, die Prinzessin und die Leiche

„Ich hab grad ein Hoch.“

Lukas betätigt sich weiter als Privatdetektiv in eigenem Auftrag. Die Geburtsurkunde weckt Erinnerungen bei Fr. Ahorner, dass da einmal eine Bombe eingeschlagen hat und dort vielleicht auch ein Kinderbett gestanden haben könnten. Da werden jetzt gar nicht so schlechte Wendungen mit der Brechstange transportiert. Muss nicht sein.

Warum Lukas sich Sophie anvertraut liegt auf der Hand. Ihre Reaktion darauf im Laufe der Folge ist aber hinterfragenswert. Zuerst scheint sie ehrlich interessiert am Haus und dem Geheimnis zu sein. Während sie das Haus ergründen kommt es zu einem romantischen Moment, den sie aber sofort abbricht. Und am Ende landet sie doch mit Lukas im Bett?

Dass dazwischen nicht nur eine Szene fehlt ist ein Problem. Ich will ja Sophie nicht gleich irgendwelche unlauteren Motive unterstellen, aber beim zweiten Mal anschauen meine ich schon so eine gewisse opportunistische Träumerei in Miriam Fusseneggers Spiel zu erkennen. Stellt sich Sophie vor, als Prinzessin im Schloss zu wohnen? Das geht nur an Seite des Prinzen. Immerhin haben wir zuvor erfahren, dass Sophie ihr Lebensziel, Wettermoderatorin zu werden, ja schon erreicht hat.

Dass Lukas sofort in die Cerwenka-Villa einzieht, muss man auch nicht verstehen. Da wurde eingebrochen und er wurde verletzt. Das ist ein Tatort und wer sagt, dass der Einbrecher nicht wieder kommt? Außerdem hat er doch vorher gemeldet, dass er beobachtet werden würde. Und dann stellt er sich splitternackt genau dort hin? Jetzt ist ihm nicht mehr unwohl dabei observiert zu werden und er fühlt sich postkoital unverwundbar trotz all der Geheimnisse und Bedrohungen, die ihm eigentlich den (Bei-)Schlaf rauben sollten. Aber die Nachricht über die Identität der Leiche wird ihn schon wieder aus der Bahn werfen. Wäre gut für die Serie.

Für die Tochter und gegen den Rest der Welt

„Noch ein letzter Kaffee in Freiheit?“

Das Powerduo Tilia und Karl hat an allen Fronten zu kämpfen, meistert die Aufgaben aber relativ souverän. Dass sie es für ihre dämliche Tochter Conny richten müssen, nimmt eigentlich nur Zeit weg von den interessanteren Problemen. Im Untersuchungsausschuss belastet Karl den Minister und Tilia schlägt gegen die autoschraubende Pichler zurück. Das werden die sich nicht bieten lassen und ich bin gespannt, wie das nächste Woche weitergeht.

Ottos Herbergssuche

„Was macht der Trottel in Singapur? Singapur!“

Er ist wieder da. Otto genießt den wieder hergestellten Ruhm und will mit einer Homestory gleich noch eins drauflegen. Die alten Freunde sind zwar nicht mehr so wirklich zu gebrauchen, aber der neue Superfan Gabi Blaha hat ja zum Glück ein wunderschönes Anwesen. Es ist eine wunderbare kleine, abgeschlossene Geschichte, die auch rasant und perfekt inszeniert ist.

Kreeeeeiiiiiiiisch! Foto: ORF/Hubert Mican

Wie Otto seinen wiedergewonnen Ruhm nicht einfach genießen kann, sondern sofort noch eins drauflegen will. Dass er am Ende auf die Schnauze fällt, wird wohl keine Relevanz für die nächste Folge haben, eher wird es ihn anstacheln es bei nächster Gelegenheit gleich wieder zu versuchen. Wenn die da jede Woche vergleichbar gute Ideen gibt, bin ich damit zufrieden.

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Bauernregelaufstand

„Und so geht er, denn er kann es, Werte holen, unser Johannes.“

Die „Landunion“ hat sich Bauernregeln zur Bewusstseinsbildung im Wetterbericht bestellt. Wir wollen gar nicht wissen, wie viel Realitätsbezug in dieser Idee steckt. Der gerechtfertigte Ärger der Redakteure versandet aber und die Geschichte findet nicht wirklich zu einem richtigen Ende. Das war weder richtig witzig, noch dramatisch, und trägt auch nichts dazu bei, die Figuren weiter zu entwickeln. 

Dabei war die Ausgangssituation recht vielversprechend und hätte z.B. in einem Aufstand gegen die Chefin oder gegen die politischen Verwicklungen des Senders mit der Politik und Lobbygruppen münden können – gerne auch über mehrere Folgen. Leider hat man die Redaktion aber in die vierte Story-Reihe verbannt, wo sie gegen die zugegeben interessanten Hauptplots gehörig ins Schwimmen gerät und letztendlich ziemlich belanglos bleibt.

Fazit

„Naja, irgendwas ist immer. Gell?“

Insgesamt eine sehr unrunde Folge, in der die witzige Geschichte um Ottos Homestory heraussticht. Der politische Fall ist – ohne das Nebendrama um Conny – insofern spannend, weil er uns ob des Realitätsbezuges immer wieder schmunzeln lässt.  Proschat Madani und Harald Windisch sind ein super Paar und schaffen es auch, die manchmal relativ plakativen Einzeiler gerade noch so hinzubiegen, dass sich nicht allzu affig wirken.

Conny hat sich vom Geheimfavorit zum Sendungsdodel entwickelt und interessiert einfach gar nicht mehr. Wäre sie nächste Woche nicht mehr da, es würde nicht auffallen. Ab in den Knast mit ihr. Anders Jana, die längst keine graue Maus mehr ist, sondern sich sogar in der Redaktion im ernstesten Moment zu Wort meldet. Bitte mehr von ihr.

Lukas’ Erbe ist mir inzwischen so egal wie ihm selber auch. Es ist schade, wie der eigentliche Hauptcharakter einfach nicht entwickelt und zur Nebenfigur degradiert wird. Eine andere Sichtweise wäre auch, dass Aaron Karl mit seiner stoischen Niedlichkeit einfach von allen anderen an die Wand gespielt wird.

Die Politik, das Erbe, der Narzisst. Dafür bräuchte es die Wetterredaktion als Setting nicht. Siehe „Vorstadtweiber“, siehe „Trakehnerblut“. „Walking on Sunshine“ muss aufpassen, sein Alleinstellungsmerkmal nicht vollständig zu verlieren.

Lists Liste

  • Die „Freunde“ von Otto haben alle erkannt? Das waren Cameos von den „Kaiser“-Dienern Rudi Roubinek („Seyffenstein“) und Karin Chvatal („Augenweide“) und den beiden anderen Staatskünstlern Florian Scheuba und Thomas Maurer. 
  • ORF-Serien haben ja den Luxus, dass sie auf bekannte Fernsehgesichter zurückgreifen können, die sich selbst spielen und so der Welt der Serie zusätzliche Legitimität verschaffen. Nachdem Lisa Gadenstätter in der letzten Folge über Karl berichtete, ist diesmal Birgit Fenderl vor Ort beim Untersuchungsausschuss im Einsatz.
  • „Die haben sogar meine Fingerabdrücke abgenommen. Bin mir vorgekommen wie eine Mörderin…Ich bin so erleichtert, dass das jetzt alles vorbei ist. Das war so ein Albtraum…Na geh, und ich hab’ geglaubt…“  War das schlecht gespielt, schlecht geschrieben oder beides?
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Beitragsbild: ORF/Hubert Mican

4 Comments

  1. Georg T. 20. Januar 2019

    Also bezüglich Conny muss ich leider zustimmen, die war im Pilot noch interessant und grau – inzwischen ist sie so eindeutig in ein unsympathisches und nicht sonderlich realistisches Eck geschrieben, dass echt ein wenig die Frage ist ob sie sie aus dem Eck noch mal rauskriegen…

    Lukas hingegen – ich mag Aaron Karl einfach – ja er ist weniger interessant als in Trakehnerblut, aber das find ich ja schon wieder gut, dass er auch einen anderen Typen als dort verkörpern kann – er kommt mir in Walking on Sunshine immer jünger vor, obwohl es danach entstand.

    Das Sophie sich so schnell hingibt, kann man nur als berechnend sehen, große Liebesgeschichten baut man anders auf…

    Das Dich die Otto Geschichte (abgesehen von den schönen Cameos) so begeistern konnte, überrascht mich, gerade dass Jana für Franziska einspringt war so vorhersehbar und auch der Rest war nicht so glaubwürdig.

    Mein Highlight der Serie ist und bleibt aber Proschat Madani… die kann auch schwache Drehbücher zum Strahlen bringen. Wobei ich mich auch freue, dass Margarete Tiesel als Haushälterin wohl erhalten bleibt.

  2. Timboeck 15. Januar 2019

    Kann mir jemand sagen warum Conny weder den Nachnamen ihrer Mutter noch den ihres Vaters trägt?

    • Hari List Post author | 15. Januar 2019

      Also die positive Variante wäre, dass sie sich selbst was erarbeiten will und nicht die Namen ihrer Eltern zu ihrem Vorteil benutzen will.
      Auch möglich: Pflegekind
      Die negative Variante: schlampiges Drehbuch
      Was gibt es noch für Möglichkeiten?

    • Hannes Blamayer 16. Januar 2019

      Wurde noch nicht erwähnt und ist noch eine offene Frage.

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