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Kritik: Walking on Sunshine 1×04

Mobbing, wilde Verfolgungsjagden, eine sadistische Zahnärztin und ein neuer DNA-Weltrekord wird auch aufgestellt. Bei „Walking on Sunshine“ geht es ordentlich zu, bis sogar die Sonne vom Himmel fällt.

Willkommen zurück bei den Episodenkritiken von „Walking on Sunshine“. Die bisherigen zu Episode 1+2 und 3 habt ihr schon gelesen?

Die Relevanz der Eingangsszene: abnehmend. In der erste Folge wurde das ganze Leben der verstorbenen Frau Cerwenka gezeigt, das in dem für den Rest der Serie wichtigen Erbe endete. In Folge zwei wurde ein neuer Hauptcharakter eingeführt und in Folge drei ging es immerhin um “den Fall der Woche”.

Jetzt in Folge vier sind es also die Zahnschmerzen von Otto, die immerhin das Sendungsdilemma der Woche auslösen – Schon wieder muss die Sendung in letzter Sekunde gerettet werden, ich dachte das hätten wir hinter uns? – ansonsten aber sehr wenig Raum in der Folge einnehmen.

Entwickelt man diese Linie weiter, dann wird bald eine Folge so beginnen:

“Lukas trank schon immer gerne Kaffee… Egal ob Filter… oder aus dem Vollautomaten… Egal mit Milch… Milchschaum… oder verlängert… Aber schon als Kind wusste Lukas… dass echter Kaffee nur aus der Espressokanne kommen kann… Einer echten italienischen.“ (Espressokanne geht kaputt.) Und in der Folge kauft Lukas im Vorbeigehen eine neue. Das wird so spannend!

Mars & Mobbing

Die eine Legende (Mars) bringt die andere Legende (Otto) zu Fall. Ok, also Otto ist ein Weichei. Haben wir nicht anders erwartet und es stürzt die Redaktion in ein Dilemma, dessen Lösung wir nicht unbedingt verstehen müssen. Es ist jetzt kein Geheimnis, dass im ORF (und in jedem anderen Sender auch) niemand ohne ein Minimum an Kameratraining eine Sendung moderiert. Und im Notfall tut man wahrscheinlich genau das, worauf Lukas am Schluss kommt: Man fragt halt irgendeinen anderen – es sind genug im Haus. Hans Huber ist ein witziges Cameo und Conny gönnen wir sowieso nicht unbedingt einen Erfolg. Aber irgendwie tut sie mir jetzt schon ein kleines bisschen leid, weil die Redaktion sie so geschlossen mobbt.

Die Redaktion hat in dieser Woche überhaupt keine Sympathiepunkte gemacht. Mangelnde Kommunikation von oben ist etwas, das wir alle kennen und hassen. Aber wir Menschen sind, speziell in Gruppen die den ganzen Tag wenig zu tun haben wie hier unsere Wetterredaktion, einfach Vollidioten. Mit einem Minimum an Information betreiben wir ein Maximum an Spekulation. Immer.

Da werden also Räume verteilt, weil nebenan umgebaut wird. Dass Conny glaubt, sie hätte besondere Rechte ist zwar typisch, rechtfertigt aber nicht diese Häme der anderen. Die verhalten sich nicht wirklich anders. Natürlich ist die Raumsituation nicht ideal, aber immerhin haben sogar die Praktikanten eigene Schreibtische und der Raum ist hell und groß. Besser geht immer, aber da meckern halt die verwöhnten ORF-(Staats-)Bediensteten. Das lässt mich kalt. Und dass Nicky und Johannes solche Bullies sind, hätten wir ihnen auch nicht zugetraut. Wie man sich täuschen kann. Und beide sind auch weit entfernt davon, in irgendeiner Art und Weise vor die Kamera gelassen zu werden.

Lästern über Conny (Selina Graf, hinten) im Regieraum. Regisseur (Aleksandar Petrović), Nicky (Alev Irmak) und Johannes (Georg Rauber)
Foto: Screenshot

Die gerechte Strafe folgt aber auch gleich: Die ganze Redaktion wird aufgelöst. So wie sich die Redaktion in den letzten Wochen verhalten hat, hätte es für die Notwendigkeit von dringenden Managementeingriffen auch nicht unbedingt eine teure Unternehmensberaterin gebraucht. Da war relativ viel Inkompetenz und Leerlauf dabei – und wir haben nur Ausschnitte davon gesehen.

Die Unternehmensberaterin ist auch die Frau des Ministers. Aber die Initiative geht offenbar vom Generaldirektor aus und ist keine Gegenschlag des Ministers an Tilia. Der ist nämlich irgendwie überrascht von der Information, dass die Mamakarenz jetzt vorbei ist. Irgendeine politische Entscheidung steht allerdings schon dahinter. Mal schauen, von wem die ausgeht.

Ein Gegenschlag kommt aber von der Pichler, die die Infos über Tilias gefälschtes Diplom an die Presse steckt. Problem: Das ist so völlig wurscht. Zum einen – das konnte Pichler nicht wissen – weil die Wetterredaktion sowieso bald nicht mehr ist und Tilia den Job so oder so verloren hätte. Zum anderen, weil Tilia im vollsten Bewusstsein dieser Möglichkeit gehandelt hat. Sie wollte Conny vor dem Gefängnis bewahren und hat alle Konsequenzen in Kauf genommen.

Übrigens zeigt sich auch in dieser Folge wieder, was für eine fürsorgende Mutter Tilia eigentlich ist und nicht nur eine harte Schale besitzt. Obwohl sie gerade selbst schreckliche Nachrichten erhalten hat, weiß sie, dass Conny jetzt genau in diesem Moment ihre Mutter braucht. Und Tilia, das können wir zu dem Zeitpunkt allerdings nur vermuten, auch eine Umarmung gebrauchen kann um sich zu fangen. Ein wunderschöner Moment.

Foto: Screenshot

Erben will gelernt sein

Im Fall des Erbes geht nur langsam was weiter. Lukas checkt, recheckt, doublecheckt und crosscheckt noch einmal seinen Stammbaum und die einzige Erkenntnis, die wir gewinnen, ist, dass er den Kopf noch mehr in den Wolken stecken hat, als wir bisher dachten. Aber wie da die rotblonde Familie sitzt und Lukas noch immer nichts kapiert, das lässt uns schon auch ein wenig schmunzeln.

Frau Ahorner kennt übrigens das schnellste DNA-Labor der Welt und Lukas und wir haben jetzt Gewissheit, dass das Erbe doch kein Zufall war. Die alte Frau Cerwenka wusste sehr genau, wen sie da als Erben einsetzt. Aber was ist jetzt mit dem Einbrecher und den Leuten, die Lukas beobachten?

Wie haben Sie das gemacht, Frau Ahorner?
Foto: ORF/Hubert Mican

Jetzt kann Lukas also Vollzeit Kaffee kochen und seiner Familiengeschichte nachgehen. Es ist für mich immer noch ein Rätsel, warum der so an dieser Redaktion hängt. Jetzt noch mehr. Sophie ist kein Grund mehr, jeden Tag dorthin zu gehen und lieb zu schauen. Die Wetterbeobachtung kann er privat weiterhin auch tun und bei der Hohen Warte (ZAMG) und bei den anderen Sendern gibt es auch Jobs für Meteorologen, wenn er seine Passion so unbedingt im professionellen Umfeld ausleben will. Er könnte sich auch einkaufen bei HalloTV oder Pink 4 und selbst als Wettersponsor auftreten.

Letzteres ist eine Option, die wir auch hier sehen könnten. Die Käuflichkeit der Wetterredaktion wurde bereits mehr als einmal etabliert und auch in dieser Folge wieder. Zusatzfrage: Wer genau hat am Kahlenberg den Wetterbericht vom trüben Wien bestellt?

Meisterdetektivin Tilia Konstantin

Zu guter letzter die Lösung eines Falles, der so kompliziert und schwierig war, dass Sherlock Holmes, Di Renjie, Miss Marple und Kottan zusammen daran gescheitert wären: Wer ist der geheimnisvolle Auftraggeber von Pichler? Raten Sie mit!

[Letzte Woche in der Werkstatt, von Tilia Konstantin aufgezeichnet und in dieser Woche zum größten Teil wieder zu hören]
Pichler: Seine Aussage wird lauten: Der Minister wusste von all dem nichts. Der Minister hat ihm auch keine Informationen über die Höhe der anderen Angebote zukommen lassen. Der Minister hat kein Geld genommen.

[Diese Woche in der Werkstatt]
Konstantin: Für wen arbeiten Sie?
Pichler: Es war ein entscheidender Fehler, dass Ihr Mann gegen den Minister ausgesagt hat.

Konstantin: Wer ist Ihr Auftraggeber?
Pichler: Das tut nix zur Sache. Ihr Mann muss seine Aussage zurücknehmen. Er muss sagen, dass der Minister niemals 800.000 Euro erhalten hat.

[Verfolgung]

Konstantin: Karl, ich weiß jetzt für wen die Pichler arbeitet. Nicht für die Russen. Für den Minister direkt.

Puh, das war spannend.

Lists Liste

  • In den Kommentaren zu einer der letzten Folgen wurde gefragt, warum Conny nicht den/die Nachnahmen ihrer Eltern trägt. Wir wissen es nicht, aber es gibt wohl nur einige wenige Möglichkeiten: Drehbuchfehler, Pflegekind, verheiratet oder weil sie ihren Namen nicht verwenden wollte, wo ihre Mutter arbeitet. Können auch alle zusammen wahr sein. Vielleicht erfahren wir das in zukünftigen Folgen.
  • Weiter so, Otto! Du schaffst es trocken zu bleiben, auch wenn jemand ganz gemein eine Flasche Champagner auf einem buchstäblichen Silbertablett dort abgestellt hat. Das waren sicher auch diese Fieslinge Nicky und Hawaiiannes.
  • Die von Ines Honsel gespielte Georgette erinnert mich irgendwie an eine meiner Lieblingsanwältinnen aus „The Good Wife“: Patti Nyholm (Martha Plimpton).
  • DNA-Analysen brauchen laut diesem Video des BR mindestens 8 Stunden.
  • Wie genau wird entschieden, welche Medien umbenannt werden und welche nicht? Am Zeitungsstand ist zu sehen, dass die bisher nicht erwähnte Die Presse in der Serie 24 Stunden heißt, Der Standard und Kurier aber ihre Namen behalten dürfen.
Foto: Screenshot
  • Was genau fasziniert Mischa Zickler an solchen Sicherheitsschranken und warum versteht er sie einfach nicht? Das humoristische Potenzial dieser Teile, das nie wirklich vorhanden war, ist jetzt ausgeschöpft und das nächste Mal klappen wir die Seitenteile einfach zur Seite wie vorgesehen, okay?
Foto: Screenshot

Beitragsbild: ORF/Hubert Mican.

4 Kommentare

  1. Marcus 27. Januar 2019

    Der Gag mit dem pensionierten Moderator, den man einfach aus der Kantine holt, war super, wäre aber für mich noch besser gewesen, wenn ich den Typen gekannt hätte (z.B. Peter Rapp). Fürs deutsche Remake müsste man dann Thomas Gottschalk nehmen.

  2. Hannes Blamayer 22. Januar 2019

    Die Umarmung zwischen Conny und Tilia war einfach super. Hätte find ich noch ein wenig emotionaler sein können, wenn irgendwer Conny noch einen Peptalk gegeben hätte, dass sie es trotz ihrer Nervosität schaffen würde – aber auch so hat das prima funktioniert, gerade weil, wie du schreibst, das für beide Figuren eine größere Bedeutung hatte.

    Hans Huber war bisschen eine deus ex machina, komisch, dass der zuvor in der Folge nicht irgendwie etabliert wurde. Genial dafür aber, wie er dann die Wetterzuseher als „liebe Wetterfreunde“ bezeichnet.

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