Wann zeigt der ORF eigentlich österreichische Filme? Hier sind die Daten!
Du liest den zweiten Teil einer Analyse des ORF-Programms. Wann genau sind eigentlich die vielen vom ORF mitfinanzierten Kinofilme zu sehen? Die Daten sagen uns: in der Nacht.
Natürlich produziert der ORF auch selbst Fernsehfilme und Serien und zeigt sehr viel Programm Made in Austria. Das soll nicht unterschlagen werden. Aber der ORF ist ein relevanter finanzieller Förderer des Films und zusätzlich zu vertraglichen Verpflichtungen auch offensiv in der Eigen-PR, wie sehr man doch den Kinofilm unterstütze. Da sehe ich eine gewisse Diskrepanz, die ich in der dazugehörigen Podcastfolge noch ausführlicher beschreibe.
Was sagen uns die Daten?
Der österreichische Kinofilm findet im ORF hauptsächlich in der Nacht statt. Jetzt mag die Nacht zwar schon zur Primetime beginnen, aber die heißt nicht umsonst so. Zwischen 20 und 22 Uhr schauen die meisten Menschen TV, abseits der kurz davor gesendeten Nachrichten. Aber nur 14% der 369 erfassten Filme starten in diesem Zeitraum. Zum Vergleich: Deutlich mehr als die Hälfte (56%) starten zwischen Mitternacht und 6 Uhr. Mit dem Spätabend (22–24 Uhr, 23%) läuft der absolute Löwenanteil von 79% zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen schlafen.

Dienstagnachts auf ORF1 ist quasi der einzige fixe Sendeplatz für österreichische Kinofilme. Dort laufen dann im Schnitt auch mehr als einer. Mittwochs und sonntags nach dem „Tatort“ sind auch auf ORF2 öfter heimische Filme zu sehen.
369 Filme bedeuten im Schnitt auch: unter 3 pro Woche oder einer alle 2,5 Tage. Bei 82.000 Programmeinträgen über beide Sender sind das nicht einmal 0,5%. Im vorherigen Artikel, in dem die Serien ausgewertet wurden, die im ORF zu sehen sind, konnte ich zeigen, dass die #1-Serie „SOKO KITZBÜHEL“ alleine 1,4% aller Programmeinträge ausmacht. Der „TATORT“, der immerhin eine Filmlänge von 90 Minuten hat, kommt mit 275 Abspielungen auf drei Viertel der Kinofilme und hat auch einen superben und fixen Sendeplatz am Sonntagabend zur Primetime.

Noch mehr Erklärungen und Anmerkungen hörst du im Podcast.
Ausgewertet wurde das TV-Programm von TV-Media für die Jahre 2024, 2025 und das erste Halbjahr 2026. Das sind 912 Tage oder 130 Wochen. Für die Sender ORF1 und ORF2 wurden insgesamt über 82.000 einzelne Programmeinträge erfasst. In die Auswertung eingeflossen sind alle Filme, die seit 1981 eine Förderung durch das Filminstitut erhielten oder seit 2000 einen offiziellen Kinostart hatten. Dazu habe ich die Filmnamen mit dem Filmarchiv des ÖFI und den Kinobesuchszahlen von filmaustria.com abgeglichen – Datensätze, die verhältnismäßig leicht zu bekommen waren. Natürlich gab es auch unterschiedliche Schreibweisen, und so musste ich Treffer, die nicht zu 100% übereinstimmten, manuell kontrollieren.
Nicht inkludiert sind ältere Filme (z. B. Klassiker wie „IM WEISSEN RÖSSL“), weil die Abgrenzung zwischen TV- und Kinofilm nicht immer ganz klar ist. Mit der Filmförderung von 1981 war es dann eindeutig. Es gibt auch ein Argument dafür, nur Filme seit dem Inkrafttreten des Film- und Fernsehabkommens 2011 zwischen ORF und ÖFI zu beachten, da der ORF nur dort die Rechte und eine gewisse Pflicht zur „Ausstrahlung […] an adäquaten Sendeplätzen“ (§ 1) hat. Ich meine aber, dass wir vom ORF mehr verlangen können und auch Filme, die älter als 15 Jahre sind, dadurch nicht wertlos werden.
Nicht inkludiert sind außerdem Wiederholungen desselben Films im gleichen Sender innerhalb von 24h. Schlussendlich landeten 369 Filme aus dem untersuchten Zeitraum in der Auswertung.
In der Wochentagseinteilung ist ein Programmtag, nicht ein Kalendertag ausgewiesen. Der Programmtag beginnt um 6 Uhr in der Früh. Das bedeutet, dass alle Filme von 0 bis 6 Uhr dem Vortag zugeordnet werden. Der Dienstag ist deshalb so stark, weil sehr viele Filme in der Nacht auf Mittwoch nach Mitternacht programmiert wurden.

Links & Infos
- Die ORF-Programmänderungen „In Memoriam Johannes Krisch“
- Der Vertrag, in dem sich er ORF zu mitfanzierung des heimischen Kinofilms verpflicht, ist das Film/Fernsehabkommen. Das kannst du hier als PDF lesen.
- Infos zur erwähnten „Wasserscheide“ (Englisch). In Österreich gibt es dazu nur gelebte Praxis, aber keine medienrechtlichen Vorschriften
- Der ORF sendet seit 1995 im Vollprogramm, also ohne nächtliche Sendeschluss und Testbild.
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