25 Jahre Spielfilmförderung des ÖFI im Datencheck: Wenn (und wann) Millionen-Zusagen zur Regel werden

Teil 2/3 – Vorsicht, trockene Zahlen! Ein Vierteljahrhundert im datenbasierten Rückblick. Warum siebenstellige Zusagen nicht mehr selten sein werden und wie sich die finanziellen Dimensionen der Spielfilmförderung seit der Jahrtausendwende grundlegend verändert haben. Das Förderjahr 2026 droht alle Rekorde zu brechen – auch weil das ÖFI so viel Geld zur Verfügung hat wie noch nie.

Geplant war ursprünglich eine statistische Auswertung über alle Förderungen des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) – unserer größten und wichtigsten Förderinstitution für Kinofilme – in den vergangenen Jahren. Doch mitten in der Datenrecherche sind ein paar Dinge gleichzeitig geschehen, die ich im Aggregat zumindest bemerkenswert fand. Dabei habe ich nicht nur einiges gelernt, sondern auch noch weiteren Input für diese Auswertung hier gewonnen.

Teil 1: Der Fall RIOT/GIRL: Warum man bei der Filmförderung manchmal nachfragen sollte
Teil 3: Warum mehr Geld für den österreichischen Film nicht automatisch ein Segen ist

Inhaltlich hat sich vor allem die Breite geändert. Wollte ich mir ursprünglich nur die Jahre nach Corona anschauen, habe ich die Auswertung auf alle Förderungen seit 2002 ausgeweitet und auch das erste Halbjahr 2026 mitinkludiert. Das sind fast 25 Jahre. Oder: seit es den Euro gibt. Denn aus den Jahren davor Beträge von Schilling umzurechnen, das habe ich mir dann doch nicht angetan.

Außerdem habe ich mich nur auf Herstellungsförderungen für Spielfilme konzentriert. Da wird nämlich das meiste Geld vergeben. Das ÖFI fördert u.a. auch Stoff- und Projektentwicklung, Verwertung (z. B. Kinostarts, Festivalteilnahmen) und Weiterbildungen mit kleineren Summen, und das alles auch für Dokumentarfilme. Letztere haben aber deutlich kleinere Herstellkosten als Spielfilme. Die Bandbreite reicht dabei von 80,00 EUR für eine Workshopteilnahme bis zu 1,78 Mio. EUR (!) für einen einzelnen Dramafilm.

Hier sei ein weiteres Mal auf Teil 1 der Artikelserie verwiesen, denn genau diese erst im Juni 2026 zugesagten 1,78 Mio. EUR für den Film RIOT/GIRL waren es, die mich zu dieser detaillierteren Recherche veranlasst haben. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „selektive Zusage“. Das heißt, dass eine Projektkommission (PK) zusammentritt, die Einreichungen beurteilt und Förderwürdigkeit bescheinigt (oder ablehnt).

Das ÖFI verwaltet auch andere Fördertöpfe: ÖFI+ (eigenes Budget) und die sogenannten Referenzmittel (aus dem ÖFI-Gesamtbudget). Dafür braucht es keine Kommission, die zusammentritt. Diese Förderungen werden de facto automatisch auf Antrag vergeben, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Daher sind sie für diese Auswertung nicht relevant.

Millionen – das neue Normal

Filmemachen ist komplex und teuer. Das ist kein Geheimnis. Aber als normalverdienender Steuerzahler schluckt man schon, wenn man die Zahlen sieht, die hier bewegt werden. In den aktuellen Förderzusagen, die im Juni 2026 getroffen und Anfang Juli veröffentlicht wurden, finden sich gleich mehrere Zusagen in siebenstelliger Höhe.

In meiner Anfrage zur Förderung von RIOT/GIRL an das ÖFI meinte ich, dass Zusagen über einer Million doch eher selten seien. „Diese sind mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich“, war die Antwort, mit Verweis auf die anderen Zusagen aus dem Juni.

Jetzt ist es so, dass in den 561 erfassten Zusagen aus den untersuchten 24,5 Jahren genau 14 eine Million oder mehr betragen. 6 dieser 14 (43%) sind aus 2026 und wiederum 4 allein aus dem Juni-Termin. Außerdem sind 5 des Jahres 2026 in den Top 6 aller Zusagen. 14 von 561 sind keine 2,5%, und ich meine, das qualifiziert „eher selten“ im Kontext des gesamten Datensatzes.

Allerdings würde ich auch die Hypothese aufstellen – und mit anderen Daten hier untermauern –, dass wir am Beginn des neuen Normals stehen, in dem Zusagen in siebenstelliger Höhe sicher nicht mehr ungewöhnlich, sondern die Regel sind. Es würde mich auch nicht wundern, wenn wir beim nächsten Sitzungstermin im Oktober oder spätestens nächstes Jahr die erste Einzelzusage über 2 Millionen EUR sehen werden.

Eine Auffälligkeit in den Top 14 gibt mir gleich die Gelegenheit, eine weitere Art der Förderzusage zu erklären: die Mittelerhöhung (ME). Mittelerhöhungen sind in den Richtlinien des ÖFI nicht erwähnt, aber der Begriff ist wohl relativ selbsterklärend. In den aktuellsten Förderentscheidungen vom Juni 2026 steht:

Mittelerhöhung/en (Abk. „ME“) und Mittelbindungen (Abk. „MB“) werden nicht als Antrag/Zusage gezählt, da die Zusage/der Antrag bereits in vorigen Sitzungen erfolgte und gezählt wurde.

Im BFP-Datensatz sind MEs als einzelne Zusage verzeichnet. Allerdings gibt es in den folgenden Grafiken immer die Möglichkeit, MEs zu filtern. Unter den siebstelligen ist die Zusage für EIN GANZES LEBEN aus 2022 offiziell eine ME, weil der Film bereits davor eine kleine Herstellungsförderung idHv etwa 11.000 EUR erhalten hatte. Mittelbindungen sind mit der schlussendlich definierten Summe in den Daten, aber nicht mit der Zusage „ohne MB“ aus einem früheren Termin erfasst.

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Wie viel überhaupt?

Das ÖFI zählt also jedes Projekt in seinen Statistiken nur einmal, egal wie viele Mittelerhöhungen es gab oder ob verfallene Förderungen, wie im Beispiel RIOT/GIRL, erneut zugesagt wurden. Es gibt auch Filme, die mehrere MEs erhalten haben. Welche das sind, ist nicht so einfach nachzuvollziehen, weil sich die Projekttitel von Förderung zu Förderung ändern können. Das wurde im aktuellen Datensatz nicht berücksichtigt.

Jedenfalls sind in den Jahresverlaufsgrafiken der Zusagen einige Dinge klar zu sehen:

  • Dazu passt auch, dass die Trendlinie bei kleineren selektiven Zusagen (unter 250.000 EUR) nach unten zeigt. Es werden also weniger kleine Beträge zugesagt.
  • Mittelerhöhungen werden immer mehr. Die Trendlinien der Anzahl und der Summe steigen in vergleichbarem Ausmaß.
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Betrachtet man die durchschnittlich zugesagte Summe, dann findet sich hier ein weiterer Beleg für meine These von zuvor. Denn der Mittelwert ist nicht nur stetig gestiegen, sondern macht 2026 dank der 6 erwähnten siebenstelligen Zusagen einen Sprung auf über eine Million. Abhängig davon, wie die Entscheidungen im Oktober ausfallen, kann dieser Punkt noch sinken. Aber warum sollte er? Das ÖFI hat nämlich jetzt viel mehr Geld zur Verfügung.

Das ÖFI-Budget

Ja, tatsächlich. Obwohl überall von knappen Budgets und Einsparungen im Kulturbereich zu lesen ist, hat das ÖFI mehr Budget für die selektive Filmförderung zur Verfügung. Das Gesamtbudget beträgt ab 2026 36,5 Mio. EUR und wird 2027/2028 leicht gesenkt. Diese Aufstockung kommt aus Mitteln, die für den anderen Topf ÖFI+ vorgesehen waren. ÖFI+ ist jetzt nur noch mit einer sehr kleinen Summe dotiert.

Zeitraum:

Insgesamt hatte das ÖFI seit seinem Bestehen knapp 557,6 Mio. EUR zur Verfügung. Im untersuchten Zeitraum 2002 bis 2026 sind es mehr als 444 Mio. EUR. Knapp 217 Mio. EUR wurden für die Herstellung von Spielfilmen zugesagt.

Anmerkungen

In den Daten gibt es ein paar Dinge zu beachten. Natürlich können sowohl dem ÖFI in den Berichten als auch mir in der Auswertung Fehler und Zahlendreher passiert sein. Weiters: Dadurch, dass das zweite Halbjahr 2026 komplett fehlt, sind alle Trendlinien vermutlich etwas flacher, als sie es am Ende des Jahres sein werden – außer, es wird im H2 besonders wenig zusätzlich gefördert.

Wenn wir von diesen Fördersummen sprechen, dann müssten wir sie auch in Relation setzen. Denn jeder von uns würde eine Million zusagen, wenn dafür eine Filmproduktion 50 Millionen im Land ausgibt. Das ist genau das, wofür ein gut dotiertes ÖFI+ da wäre. Aber auch bei den kulturellen/selektiven Förderungen wird immer wieder mit ökonomischen Effekten argumentiert.

Ziemlich sicher hatte keines der geförderten Projekte ein Produktionsvolumen von 50 Millionen, aber mehr kann ich mangels Daten dann auch nicht dazu sagen. In den Förderungsrichtlinien des ÖFI steht jedenfalls, dass ein gefördertes Projekt ohne das ÖFI nicht möglich sein darf. Das relativiert den möglichen Rahmen, in dem sich die Filmbudgets bewegen, auch ohne konkrete Zahlen deutlich.

Nochmal erwähnt sei auch, dass es hier um Zusagen geht, nicht um tatsächlich geflossene Mittel. Diese Zusagen sind zeitlich begrenzt und müssen dann neu beantragt werden, oder das Projekt wird abgebrochen. Unser Anlassfall RIOT/GIRL ist mit seiner damals verfallenen Zusage idHv knapp 690.000 EUR aus 2024 und dann eben noch einmal mit 1,78 Mio. EUR zweimal in der Statistik.

Mittelbindungen sind in dem Jahr verzeichnet, in dem sie stattfanden. Genaugenommen gehören sie wahrscheinlich in das Jahr der „Zusage ohne Mittelbindung“, aber sie sind in dieser Statistik in dem Jahr, in dem sie sich finanziell konkret sind, verzeichnet.

Abschließende Gedanken

Es gab im ganzen Text von mir bis jetzt auch bewusst keine Wertung, ob irgendwas gut oder schlecht ist. Wie das ÖFI mit dem deutlich höheren Budget konkret umgeht, werden wir sehen. Das höhere Budget wird wohl ausgegeben werden – meiner Theorie nach natürlich für höhere Summen pro Film, aber es können auch mehr Filme sein.

Meine tatsächlichen Einordnungen und einige andere Erkenntnisse aus den Daten liest du im dritten Teil.

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